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Ausstellung ist bis 3. April 2021 zu sehen © KHM-Museumsverband
Ausstellung ist bis 3. April 2021 zu sehen © KHM-Museumsverband

APA

"Traumatische Vergangenheiten": Akademie zu Gast im Weltmuseum

07.10.2020

Ein großer Kochtopf mit abgehackten Händen oder ein riesiges Auge, das über Sammlungsobjekte und Besucher wacht - zahlreiche Installationen erzählen in einer neuen Ausstellung im Weltmuseum Wien die "Geschichten traumatischer Vergangenheiten". Die Schau wurde von einem Team der Akademie der bildenden Künste gestaltet und ist ab Donnerstag bis 3. April im Weltmuseum zu sehen.

Die Ausstellung mit dem vollständigen Titel "Geschichten traumatischer Vergangenheiten - Gegenarchive künftiger Erinnerungen" ist das Ergebnis des Forschungsprojekts "Genealogie der Amnesie" an der Akademie, das seit 2018 läuft. Thematisiert werden die Nachwirkungen des belgischen Kolonialismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus in Österreich und der Turbo-Nationalismus im ehemaligen Jugoslawien.

Drei europäische Territorien im Fokus

"Die Ausstellung hat drei europäische Territorien und deren spezifische genozidale und gewalttätige Vergangenheiten im Fokus", sagte Kuratorin Sophie Uitz bei einer Presseführung. In den drei Galerien im Mezzanin des Weltmuseums werden die Arbeiten von zehn Künstlerinnen und Künstlern aus den drei Regionen präsentiert. Auch der jeweils dahinter liegende Raum der Schausammlung wurde mit einbezogen. Ergänzt wurde sie durch QR-Codes, ein digitales Archiv und interaktive Elemente. "Wir wollten das 21. Jahrhundert repräsentieren", sagte Marina Grzinic, Kuratorin und Leiterin des Forschungsprojekts.

Die Installationen, Filme und Fotografien ergänzen die Räume als hätten sie schon immer dazugehört und bringen neue Blickwinkel ein. So hat etwa die Künstlerin Valerie Wolf Gang den Boden eines Raums der Schausammlung zum Thema Migration mit einer Landkarte versehen. Wolf Gang reiste die sogenannte Balkanroute in entgegengesetzter Richtung ab. Die Fotos und Videos, die sie unter anderem auf Friedhöfen aufnahm, können mittels QR-Code abgerufen werden.

In einem weiteren Raum wurde die große Glasvitrine, in der indische "Charakterköpfe" ausgestellt sind, von der Künstlerin Elisabeth Bakambamba Tambwe mit einem Bildschirm ausgestattet, auf dem Aufnahmen eines riesigen Auges abgespielt werden, das sowohl Objekte als auch Besucher hinterfragt.

"Österreich ist ein wunderbares Land"

An die brutalen Ereignisse, die sich im Zuge des "Anschlusses" Österreichs 1938 zutrugen, erinnert eine Installation von Martin Krenn. Jüdische Männer und Frauen wurden damals gezwungen, Straßen von den Losungen des austrofaschistischen Ständestaats zu reinigen. In der Ausstellung erinnern Zeitzeugen in einem Video daran und auf einer großen Betonfläche auf dem Boden stehen in großen Buchstaben die Worte "Österreich ist ein wunderbares Land" - der erste Satz des Regierungsübereinkommens der aktuellen Bundesregierung. Daneben liegen Bürsten und Besen.

Eine weitere plakative Arbeit ist jene der Künstler Joelle Sambi Nzeba und Nicolas Pommier, die auf die Massaker im Kongo unter dem früheren belgischen König Leopold II. Bezug nimmt. Auf einem gedeckten Esstisch steht ein Kochtopf, aus dem eine Hand ragt, auch auf den Tellern liegen abgehackte Hände.

Die Ausstellung verhandle genau das, "wofür das Weltmuseum Wien stellen will und muss", betonte Weltmuseum-Direktor Christian Schicklgruber, der das Projekt der Akademie einlud. Die sehenswerte Schau läuft bis 3. April.

Service: Ausstellung "Geschichten traumatischer Vergangenheiten - Gegenarchive künftiger Erinnerungen" im Weltmuseum Wien. 8. Oktober bis 3. April, täglich außer Mittwoch 10 bis 18 Uhr. www.weltmuseumwien.at

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