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Richtig zu streiten könne den Zusammenhalt fördern, so der Bundespräsident © APA (AFP)
Richtig zu streiten könne den Zusammenhalt fördern, so der Bundespräsident © APA (AFP)

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Tullner Zukunftsforum: Van der Bellen für verbesserte Streitkultur

20.01.2020

Digitalisierung, Fake News, Message Control, Klimawandel, Energieressourcen - reichhaltig war das thematische Feld beim 8. Tullner Zukunftsforum, das durch Bundespräsident Alexander van der Bellen eröffnet wurde. Das Staatsoberhaupt plädierte dabei u.a. für eine verbesserte Streitkultur.

Das 2011 vom Tullner Bürgermeister Peter Eisenschenk (ÖVP) ins Leben gerufene Zukunftsforum will Impulse vermitteln und über kommende Entwicklungen und Trends kompetent informieren, um Ängste zu entschärfen und gesellschaftliche Notwendigkeiten ins Auge zu fassen. Tulln als explizite "Stadt des Miteinander" wolle konkrete Initiativen im Sinne gelingenden Zusammenlebens setzen, so Eisenschenk.

Kommende Herausforderungen brauchen klare Antworten und den Blick über den Tellerrand, zeigte sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) überzeugt. Im Zusammenspiel von Bildung, Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie sieht sie ein großes Potenzial an Chancen. Das Bundesland Niederösterreich habe etwa allein im Bereich Klimaschutz 230 Initiativen gesetzt, erklärte Mikl-Leitner.

Ehrenamt und Streitkultur seien wichtig

Bundespräsident Van der Bellen betonte die Bedeutung des Ehrenamts ("Das Feuer, das unsere Gesellschaft wärmt"), des Verhältnisses zwischen Stadt und Land ("Breitbandtechnologie schafft neue Möglichkeiten") und einer guten Streitkultur. Statt nur in der Social-Media-Blase mit Gleichgesinnten zu kommunizieren, müsse man auch und gerade mit jenen reden, die nicht gleicher Meinung seien, meinte Van der Bellen. Richtig zu streiten könne den Zusammenhalt fördern: "Die Familie möcht ich kennen, in der nicht gestritten wird."

Van der Bellen erwähnte auch den Umstand, dass sich Justizministerin Alma Zadic (Grüne) aufgrund ihres Migrationshintergrunds mit Anfeindungen konfrontiert sieht. Er selbst habe diesen Hintergrund auch, sagte der Bundespräsident: "Und?" Auch der Festredner des Abends, der Neurowissenschafter Joachim Bauer, bezeichnete es anschließend als "Schande", was Zadic erleben müsse.

"Was uns als Gesellschaft zusammenhält"

In Bauers Vortrag ging es um die Frage, "was uns als Gesellschaft zusammenhält". Der Mensch sei auf ein sozial strukturiertes Gemeinwesen angewiesen, das Selbst entstehe beim Kleinkind durch das soziale Umfeld, nicht durch Gene. Werde nicht durch positive soziale Erfahrung die Fähigkeit zur Empathie gefördert, bestehe vor allem bei Männern die Gefahr, Männlichkeit mit Gewalt zu verwechseln. Respektlosigkeit, Aggressivität und Hass schaden laut Bauer ebenso wie eine "skandalisierende Wutkultur".

Wichtig sei die Schaffung gemeinsamer Narrative, etwa die Zielsetzung der ökologischen Bewahrung des Planeten und fairer Ressourcenverteilung, schloss Bauer.
Weitere Vortragende beim Tullner Zukunftsforum waren Sita Mazumder, Franz Kühmayer, Franz Josef Radermacher, Ingrid Brodnig und Armin Wolf. Dabei ging es u.a. um das Netz als demokratisches Tool, künstliche Intelligenz und die Funktion des Journalismus.

Service: 8. Tullner Zukunftsforum, www.tulln.at/zukunftsforum

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