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Ursel Nendzig: "Renee Schroeder - Alle Moleküle immer in Bewegung" © Residenz Verlag
Ursel Nendzig: "Renee Schroeder - Alle Moleküle immer in Bewegung" © Residenz Verlag

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"Unikum" Renee Schroeder und ihr Leben in Bewegung und im Kampf

30.09.2019

Die Biochemikerin Renee Schroeder ist nicht nur eine hervorragende Forscherin, sondern eine Frau mit Ecken und Kanten - und eckt dementsprechend immer wieder an. Im Vorjahr ist sie als Professorin an der Uni Wien in Pension gegangen und betätigt sich nun als "Kräuterhexe". In ihrer Biografie schildert sie nun ihr Leben in Bewegung und ihren Kampf gegen Konventionen, Männerbünde und für die Frauen.

Schroeder zählt zu den bekanntesten Wissenschaftern des Landes. Das ist nicht nur ihrer Forschungsleistung zu verdanken, sondern auch ihrem Zug zur Öffentlichkeit, der fehlenden Scheu vor Auseinandersetzungen und ihrem Engagement.

Die Journalistin Ursel Nendzig hat in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Schroeder bereits einige populärwissenschaftliche Bücher veröffentlicht. Nun erzählt sie in dem Buch "Renee Schroeder - Alle Moleküle immer in Bewegung" ohne Distanz und "aus direkter Nähe", wie sie bekennt, das Leben der Forscherin vom Aufwachsen in Brasilien über ihre wissenschaftlichen Wanderjahre, ihren schwierigen Weg in einer männerdominierten Wissenschaftswelt bis zu ihrer Pensionierung und zum Neuanfang als Bäuerin. Durchsetzt ist diese Erzählung mit vielen und langen Original-Zitaten Schroeders.

Unkonventioneller Lebenslauf

Viele Stationen in Schroeders unkonventionellem Lebenslauf lesen sich amüsant, etwa ihr erster Eindruck von Österreich, konkret Bruck an der Mur, nach einer Kindheit in Brasilien ("Es war alles schwarz, dreckig und finster; die Leute waren unbunt und verschlossen, sie redeten so leise miteinander"), ihre Schulzeit ("Eine Deutschschularbeit im eingerauchten Zustand habe ich dafür besonders gut hinbekommen") oder ihre wissenschaftlichen Wanderjahre, etwa in Paris ("Einen Monat lebte ich im Puff, bis mein Zimmer am CNRS frei war"). Spannend werden Schroeders Erinnerungen, wenn es um das Anrennen als Frau gegen gläserne Decken (ein Begriff, der in dem Buch gar nicht vorkommt) und ihren Kampf für die Frauen oder ihre Auseinandersetzung mit der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) geht.

So schildert sie etwa, wie sie mit einer "Shitlist" Leuten begegnet, die ihr das Leben schwer machen, oder der Uni Wien mit Klage droht, weil sie bei einer Professorenberufung "nicht den am besten geeigneten Kandidaten ausgewählt und mich diskriminiert haben". Unversöhnlich klingt sie gegenüber der ÖAW, aus der sie 2012 aus Protest gegen ihrer Meinung nach nicht nachvollziehbare Entscheidungen über die Ernennung neuer Mitglieder austrat, und die sie als "Intrigantenstadel, in dem es viel um Eitelkeiten geht", bezeichnet.

Ihr Kampf für Frauen hat sich ihrer Meinung nach ausgezahlt: "Auch die, die nach mir kamen, haben davon profitiert. Ich war sicher eine, die den Weg geebnet hat; die gezeigt hat, dass man sich gegen Entscheidungen auch wehren kann, erfolgreich wehren kann." Und trotz all der Öffentlichkeit, ihres Engagements und ihrer Karriere, bezeichnet sie die rund 20 Jahre, in denen sie ihre beiden Söhne großzog, als "das Beste in meinem Leben".

Service: Ursel Nendzig: "Renee Schroeder - Alle Moleküle immer in Bewegung", Residenz Verlag, 224 Seiten, 24 Euro, ISBN: 9783701734887; Buchpräsentation heute, Montag, 30.9., 19.00 Uhr; Cafe Korb 1010 Wien, Brandstätte 9

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