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Vor 80 Jahren begann mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg

20.08.2019

"Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 05.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!", verkündete Deutschlands NS-Diktator Adolf Hitler am Vormittag des 1. September 1939 in einer im Rundfunk übertragenen Rede.

Zuvor hatte das im Danziger Hafen liegende deutsche Linienschiff "Schleswig-Holstein" das Feuer auf die polnische Enklave Westerplatte vor dem Hafen der alten Hansestadt eröffnet und die polnische Stadt Wielun wurde aus der Luft angegriffen: Der sechs Jahre dauernde Zweite Weltkrieg mit etwa 55 Millionen Toten, 35 Millionen Verwundeten und nicht abzuschätzenden materiellen Verlusten hatte begonnen.

Der Überfall auf Polen vor 80 Jahren mit dem anschließenden deutschen Einmarsch ohne vorherige Kriegserklärung war minuziös vorbereitet. Hitler begründete ihn um 10.00 Uhr in seiner Rede vor dem Reichstag mit fortgesetzten Grenzverletzungen und verkündete die Wiedereingliederung der "Freien Stadt Danzig", nach dem Ersten Weltkrieg ein selbstständiger Freistaat unter dem Schutz des Völkerbunds, in das Deutsche Reich. Tatsächlich waren die Grenzzwischenfälle gründlich vorbereitete Aktionen der SS. Sie sollten den Einmarsch der Wehrmacht in Polen als berechtigte Verteidigungsmaßnahme begründen.

Beschränkungen des Vertrags von Versailles abgebaut

Von Anfang an war die Außenpolitik der Nationalsozialisten unter dem Zeichen der Revision des Versailler Friedensvertrages gestanden, der den unterlegenen Mittelmächten harte Friedensbedingungen mit Reparationsforderungen in astronomischer Höhe diktierte. Die Lage wurde durch die Weltwirtschaftskrise verschärft. Schon in seiner programmatischen Schrift "Mein Kampf" hatte Hitler zudem die Eroberung von "Lebensraum im Osten" zu seinem Ziel erklärt.

Im Bund mit dem faschistischen Italien und im Windschatten der Appeasement-Politik der Westmächte baute Hitler die auferlegten Beschränkungen des Vertrags von Versailles in Wirtschaft und Verteidigung ab: 1935 wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, 1936 das entmilitarisierte Rheinland besetzt. 1938 erfolgte der "Anschluss" Österreichs, die Besetzung und erzwungene Abtrennung der Sudetengebiete, im März 1939 schließlich die völlige Zerschlagung der Tschechoslowakei und die Errichtung des "Reichsprotektorats Böhmen und Mähren", nachdem sich die Slowakei unter deutschem Druck für selbstständig erklärt hatte und zu einem klerikal-faschistischen Marionettenstaat wurde. Erst jetzt begannen auch die Westmächte aufzurüsten.

Seit dem Frühjahr 1939 führten die Westmächte mit der Sowjetunion Verhandlungen über einen Beistandspakt gegen Nazi-Deutschland, die wegen gegenseitigem Misstrauen und sachlicher Differenzen aber nicht vorwärtskamen. Zudem erkundete Sowjetdiktator Josef Stalin mögliche Vorteile eines Zusammengehens mit Deutschland und erhielt Zusicherungen. Am 24. August wurde die Weltöffentlichkeit schließlich durch den Abschluss eines deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes (Ribbentrop-Molotow-Abkommen, auch: Hitler-Stalin-Pakt) überrascht.

Geheimes Zusatzprotokoll

In einem erst nach dem Krieg bekannt gewordenen geheimen Zusatzprotokoll wurden die beiderseitigen Interessensphären in Osteuropa "für den Fall einer territorialpolitischen Umgestaltung" abgesteckt: Finnland, Estland, Lettland und Bessarabien (heute Republik Moldau, damals Teil Rumäniens), sowie Polen östlich der Flüsse Narew, Weichsel und Sann sollten sowjetisches, alle westlich dieser Demarkationslinie gelegenen Gebiete deutsches Einflussgebiet sein.

Hitler hatte bis zuletzt vergeblich versucht, Polen durch massive Propaganda von den Westmächten zu isolieren, um den beabsichtigten Krieg auf die Ostfront zu beschränken. Die deutschen Forderungen an Polen - die Abtretung Danzigs und eine exterritoriale Straßen- und Bahnverbindung nach dem vom Reichsgebiet getrennten Ostpreußen - hatten Großbritannien bereits am 31. März 1939 zu einer Garantieerklärung für Polen bewogen, der sich Frankreich anschloss. Polen lehnte daraufhin die deutschen Ansprüche und in Selbstüberschätzung auch eine sowjetrussische Garantieerklärung ab. Hitler wiederum kündigte den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt von 1934.

Den diplomatischen Wettlauf mit den Westmächten um die Gunst Stalins gewann Hitler. Für Polen bedeutete dies das politische Todesurteil. Zwei Tage nach Unterzeichnung des Ribbentrop-Molotow-Abkommens schloss der britische Premier Neville Chamberlain mit Polen noch ein förmliches Beistandsbündnis für den Kriegsfall ab. Der "Führer" verschob dann den für 26. August gegebenen Angriffsbefehl. Am 1. September, einen Tag, nachdem ein Angriff auf den deutschen Sender in der damaligen Grenzstadt Gleiwitz (heute Gliwice in Polen) fingiert worden war, war es aber dann so weit.

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