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Die Forschungsstation Summit Camp auf dem grönländischen Eisschild © Michael Sigl/Universität Bern
Die Forschungsstation Summit Camp auf dem grönländischen Eisschild © Michael Sigl/Universität Bern

APA

Vulkan in Alaska könnte Niedergang antiker Reiche beschleunigt haben

23.06.2020

Ein Vulkanausbruch am anderen Ende der Welt hat womöglich mitgeholfen den Niedergang der Römischen Republik nach Cäsars Tod und das Ende des ägyptischen Ptolemäerreiches von Kleopatra zu besiegeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie, die in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlicht wurde.

Historische Quellen berichten in der Zeit um Julius Cäsars Tod im Jahr 44 vor Christus über ungewöhnliche Kälte, die im Mittelmeerraum zu Missernten, Hungersnöten, Seuchen und Unruhen geführt hätten. Die Klimafolgen trugen damit nicht nur zum Untergang des alten Roms bei, sondern auch des ptolemäischen Königreichs in Ägypten.

Dass hinter der abrupten Klimaveränderung ein Vulkanausbruch steht, haben Historiker schon lange vermutet. Doch wo und wann der Ausbruch stattfand, ließ sich nicht sagen. Nun sind die Forscher, darunter auch Wissenschafter der Schweizer Universität Bern, bei der Analyse von Eisbohrkernen aus Grönland auf eine gut erhaltene Schicht feinster Vulkanasche gestoßen. Daten von insgesamt sechs Eiskernen belegen gemäß den Forschern, dass der Vulkan Okmok auf den Aleuten vor Alaska im Jahr 43 vor Christus ausgebrochen war.

Die Explosion schleuderte schwefelhaltige Gase und Asche über 30 Kilometer hoch in die Atmosphäre und hinterließ einen Krater von zehn Kilometern Durchmesser. Kleinste Schwefelsäure-Tröpfchen verblieben über zwei Jahre lang in der Atmosphäre und sorgten in der nördlichen Hemisphäre für eine der kältesten Phasen der vergangenen 2500 Jahre, wie die Universität Bern mitteilte.

"Das zeigt, wie verflochten die Welt bereits vor über 2000 Jahren war", wird der Leiter des internationalen Forschungsteams, Joe McConnell vom Desert Research Institute in Reno (USA), zitiert. Die Forschenden konnten ermitteln, welche Mengen an Schwefelgas wann und wo in die Atmosphäre gelangt waren. "Diese Informationen erlaubten uns hier in Bern, die Folgen des Okmok-Ausbruchs realistisch zu simulieren", wird Michael Sigl vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern zitiert.

Möglicherweise bis zu 7 Grad kälter

In der Nordhemisphäre war es im Sommer und Herbst der Jahre 43 und 42 vor Christus durchschnittlich 3 Grad Celsius und möglicherweise bis zu 7 Grad kälter als normal. In ganz Südeuropa war es nicht nur kalt, sondern auch feucht; dementsprechend schlecht fiel die Ernte aus.

Die Sommerniederschläge, so die Berner Modellberechnungen, lagen zwischen 50 und 120 Prozent höher als gewöhnlich, und im Herbst regnete es gar viermal soviel wie üblich. Ganz anders waren die Folgen des Vulkanausbruchs für Ostafrika. Der Sommermonsun verschob sich in den Süden und in Ägypten blieb die jährliche Sommer-Flut des Nils vollständig aus, was sich verheerend auf die Getreideproduktion auswirkte. In historischen Quellen wird denn auch von Nahrungsmittelknappheit und Hungersnot berichtet.

Die Forscher räumen ein, dass nicht nur der Okmok-Ausbruch zum Untergang der antiken Reiche im Mittelmeerraum führte, sondern eine ganze Reihe von Faktoren. Doch der Vulkanausbruch in Alaska und die damit verbundenen Umweltveränderungen seien "zusätzliche Stressfaktoren" gewesen.

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