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Weibliche Führungspositionen sind deutlich unterrepräsentiert © APA (dpa)
Weibliche Führungspositionen sind deutlich unterrepräsentiert © APA (dpa)

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Wenn das Los entscheidet, sind Frauen risikofreudiger

20.11.2020

Den Chef oder die Chefin unter den besten Bewerbern für eine Stelle per Los auszuwählen, mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen. Eine Studie im Fachmagazin "Science Advances" der Universitäten Bern und Zürich zeigt nun aber, dass sich mit diesem Verfahren mehr Frauen um Führungspositionen bewerben könnten.

Die Forschenden um die Sozialwissenschafterin Katja Rost von der Uni Zürich führten mit 420 Probandinnen und Probanden ein außergewöhnliches Experiment durch: Sie ließen 70 Gruppen von jeweils drei Männern und Frauen eine einfache Rechenaufgabe lösen, wobei sie für jede richtige Antwort Geld gewannen. In der ersten Runde erhielten alle sechs Gruppenmitglieder Geld für die richtige Lösung. In der zweiten Runde erhielten in einigen Gruppen nur derjenige Teilnehmende das Geld, der die meisten richtigen Antworten hatte. In anderen Gruppen wurde der Gewinner oder die Gewinnerin per Losverfahren aus den drei Teilnehmenden mit den höchsten Punktzahlen ausgewählt.

Unterschiede im Wettbewerbsverhalten ausgehebelt

In der letzten Runde durften die Probanden auswählen, nach welchen Regeln sie spielen möchten. Dabei zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit bei Frauen dreimal so hoch war, nach den riskanteren Regeln zu spielen, wenn sie zuvor in der "Losgruppe" waren. Demnach ließen sich die Unterschiede im Wettbewerbsverhalten zwischen Frauen und Männer aushebeln.

Frühere Studien wiesen bereits darauf hin, dass Frauen in Führungspositionen unter anderem deshalb unterrepräsentiert sind, weil sie sich selbst bei besserer Qualifikation seltener als Männer um eine Stelle bewerben. Ebenfalls treten Frauen im Durchschnitt nur etwa halb so oft wie Männer in Wettbewerbe oder Turniere ein, in denen nur eine Person siegt. Wer aber nicht am Wettbewerb teilnimmt, kann nicht gewinnen. Das Los entscheiden zu lassen, nachdem zuerst eine Handvoll geeigneter Kandidaten ausgewählt wurden, könnte gemäß den Forschenden mehr Frauen dazu bringen, sich um einen Chefposten zu bewerben.

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