Kultur & Gesellschaft

Gesamtansicht von Megiddo © Israel Finkelstein/Tel Aviv Uni.
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Wiener Wissenschafter zeichnen Stammbaum der Kanaaniter nach

28.05.2020

Mit der Zusammensetzung der Kanaaniter, einer Zivilisation, die während der Bronzezeit an der östlichen Mittelmeerküste lebte, hat sich ein internationales Team um Forscher der Uni Wien mittels alter DNA befasst. Das Erbgut von 73 Personen zeigte, dass es neben bereits dort etablierten Menschen lange regen Zuzug aus dem Kaukasus und dem heutigen Iran gab, wie sie im Fachblatt "Cell" berichten.

Die als Kanaaniter titulierten Menschen bewohnten das auch als Südlevante bezeichnet Gebiet des heutigen Israels, des Libanon, Jordaniens und Teile Syriens während der Bronzezeit von ungefähr 3.500 bis 1.150 vor Christus. Das Wissenschafterteam um Ron Pinhasi vom Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien, dem u.a. auch David Reich von der Harvard Medical School (USA) angehörte, beschäftigte sich mit der Frage, wie ähnlich sich diese Gesellschaft genetisch war, die damals offenbar einen relativ engen gemeinsamen kulturellen Raum bildeten, der sich über verschiedene Stadtstaaten erstreckte.

Einheitliches genetisches Bild

Gefunden wurde die untersuchte alte DNA an fünf über die Region verstreuten Ausgrabungsstätten, deren Besiedelung bis in diese Zeit zurückreichte und wo Funde der Kultur der Kanaaniter zugeordnet werden konnten. Dabei ergab sich ein relativ überschaubares und erstaunlich einheitliches genetisches Bild der dortigen Bevölkerung in der Bronzezeit, das nur wenige Gruppen umfasst. Neben den Menschen, die offenbar schon seit Jahrtausenden in der Region lebten, kam es vor allem zu Zuwanderungen aus dem Kaukasus, und damit in etwa aus dem Gebiet des heutigen Armenien, sowie aus dem heute großteils im Iran liegenden Zagros-Gebirge.

Diese Bevölkerungsgruppen vermischten sich den Analysen zufolge offenbar in etwa zu gleichen Anteilen, wie es in einer Aussendung der Uni Wien heißt. Die Zuwanderung aus der Kaukasus-Zagros-Region dürfte bereits vor mehr als 4.500 Jahren begonnen haben und hielt zur Überraschung der Forscher vermutlich bis in die späte Bronzezeit an. "Unsere Ergebnisse liefern ein umfassendes genetisches Bild der Mehrheit der Bevölkerung der südlichen Levante im zweiten Jahrtausend vor Christi", so Pinhasi.

Vermächtnis noch heute nachweisbar

Neben der starken kulturellen Übereinstimmungen waren die Kanaaniter einander offenbar auch genetisch recht ähnlich. Ihr Vermächtnis sei auch noch heute in der DNA der Bevölkerung der Region nachweisbar. Später kam es dort zu vielen Bevölkerungsbewegungen mit Zuwanderung aus dem Nordosten, dem Süden und dem Westen, sagte Pinhasi. Während nämlich bis in die Bronzezeit das genetische Bild recht eindeutig aussehe, konnte die Erbgut-Entwicklung der dann folgenden 3.000 Jahre anhand der vorliegenden Daten nicht mehr nachvollzogen werden.

Service: https://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2020.04.024

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