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Österreichische Erstaufführung am 18. November © Sandra Schüddekopf
Österreichische Erstaufführung am 18. November © Sandra Schüddekopf

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portraittheater Wien geht mit Mathematikerin Emmy Noether spazieren

11.11.2019

Emmy Noether (1882-1935) hat grundlegende Beiträge zur abstrakten Algebra und theoretischen Physik geleistet. Das portraittheater Wien widmet der deutschen Mathematikerin, die ihre Lösungen von Problemen am liebsten im Gehen formulierte, die Österreichische Erstaufführung des Stücks "Mathematische Spaziergänge mit Emmy Noether". Premiere ist am 18. November im Theater Drachengasse.

Noether wurde 1919 als erste Frau in Deutschland im Fach Mathematik habilitiert. An der Freien Universität (FU) Berlin fand zum 100. Jahrestag ihrer Habilitation im Juni eine Fachkonferenz statt, bei der das portraittheater Wien das Stück in der Regie von Sandra Schüddekopf zur Uraufführung brachte. Vom 18. bis 21. November ist es nun in Wien zu sehen.

Emmy Noether gilt als eine der herausragendsten Mathematikerinnen des 20. Jahrhunderts und war eine Koryphäe auf dem Gebiet der abstrakten Algebra. Sie stellte die "Noether-Theoreme" auf, die die Erhaltungssätze für Energie, Impuls und Drehimpuls beschreiben und zum Grundbestand der mathematischen Physik zählen. Dabei musste sie Zeit ihres wissenschaftlichen Lebens als Frau mit Diskriminierung kämpfen und wurde als Jüdin aus ihrer Heimat vertrieben.

Gasthörerin an der Universität Göttingen

Am 23. März 1882 in Erlangen als Tochter eines Mathematik-Professors geboren, machte sie zunächst das Lehrerinnenexamen für Englisch und Französisch und legte 1903 in Nürnberg das Abitur ab. Anschließend ging sie als Gasthörerin an die Universität Göttingen, eine Hochburg der Mathematik mit Professoren wie Felix Klein oder David Hilbert. Krankheitsbedingt kehrte sie nach einem Semester nach Erlangen zurück, wo sie 1907 - als eine der ersten deutschen Frauen - in Mathematik promovierte.

Danach lehrte und forschte sie acht Jahre lang - ohne Anstellung - in Erlangen. 1909 wurde sie Mitglied der "Deutschen Mathematikervereinigung" und hielt auf deren Jahresversammlung in Salzburg als erste Frau einen Vortrag. Auf Einladung von Felix Klein und David Hilbert ging Noether 1915 wieder nach Göttingen. Dort wurde sie nach mehreren Anläufen 1919 mit einer Ausnahmeregelung habilitiert. Sie konnte damit Lehrveranstaltungen im eigenen Namen abhalten, bezahlt wurde sie aber nicht dafür. Erst ab 1923 erhielt sie eine geringfügige Besoldung.

1933 wurde ihr wegen ihrer jüdischen Herkunft die Lehrbefugnis entzogen. Sie flüchtete in die USA, wo sie am Women's College Bryn Mawr und in Princeton lehrte. Am 14. April 1935 starb sie in Bryn Mawr nach Komplikationen nach einer Operation.

Probleme lösen beim Puddingessen

Mathematische Probleme erörterte Noether am liebsten beim Verzehr von Pudding oder beim Spazierengehen. Auch auf der Bühne, wo Anita Zieher die Mathematikerin verkörpert, wird viel Pudding gegessen, die berühmten "Mathematischen Spaziergänge" Noethers mit ihren Kollegen und Schülern werden auf Videos nachvollzogen.

"Wir haben für das Stück Briefwechsel, Nachrufe und die Erinnerungen von ZeitgenossInnen genutzt, um uns wissenschaftshistorisch fundiert dieser Figur anzunähern und Emmy Noether auf der Bühne Gestalt annehmen zu lassen", erklärt Regisseurin Schüddekopf in einer Aussendung. Das portraittheater Wien hat in den vergangenen Jahren immer wieder herausragende Frauen auf der Bühne einem breiten Publikum vorgestellt, etwa Hannah Arendt, Bertha von Suttner, Marie Curie, Lise Meitner, Hedy Lamarr oder Marie Jahoda.

Service: portraittheater Wien: "Mathematische Spaziergänge mit Emmy Noether", Österreichische Erstaufführung am 18. November, 20.00 Uhr im Theater Drachengasse, 1., Fleischmarkt 22; Regie: Sandra Schüddekopf; Schauspiel: Anita Zieher; weitere Aufführungen bis 21. November. www.portraittheater.net

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