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208 Seiten umfasst der mit hoher Expertise versehene Band © Verlag Carl Ueberreuter
208 Seiten umfasst der mit hoher Expertise versehene Band © Verlag Carl Ueberreuter

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Alarmschrei rund um Gesundheitssystem: Buch - "Im kranken Haus"

27.01.2020

Sprichwörtliche Aufreger hat es bei Buchveröffentlichungen rund um Gesundheit schon oft gegeben. Dieses Buch allerdings könnte durchaus sachkundige und rationale Diskussionen fördern: Jetzt kommt "Im kranken Haus - Ärzte behandeln das Gesundheitssystem" heraus (Ueberreuter), in dem renommierte Ärzte buchstäblich Rezepte gegen die Ökonomisierung und Industrialisierung der Medizin anbieten.

"In Österreichs Gesundheitssystem herrschen verstörende Zustände. Die ganze Tragweite wird erst in der Gesamtschau klar. Deshalb stellen sich renommierte Mediziner und Gesundheitsexperten aus der täglichen Praxis den Ursachen und Wirkungen verfehlter Gesundheitspolitik entgegen", ließen Rudolf Likar (Vorstand Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am LKH Klagenfurt), Herbert Janig (Klinischer und Gesundheitspsychologe FH Kärnten und ehemals Universität Klagenfurt), Georg Pinter (Vorstand Altersmedizin am Klinikum Klagenfurt) und Rudolf Waldenberger (Herzchirurg, nunmehr Gesundheitsökonom) für die Vorstellung ihres Buches formulieren.

"Niemand verlässt das Haus ohne Diagnose"

Flott, aber mit hoher Expertise versehen, heißt es in dem 208 Seiten umfassenden Band, der sich von Themen wie "Das kranke Haus" (überfüllte Spitäler, unnötige Untersuchungen, überlange Dienste, Haftungsprobleme etc.), "Der Kranke Patient" (Recht für Patienten, Fehlende Zeit für Patienten, Faktor Angehörige etc.) bis hin zu "Die kranke Medizin" (Überdiagnosen, Leitlinien ohne Logik, Zwei-Klassen-Medizin etc.), "Das Leben des Arztes" (ungleiche Gegebenheiten, Machbarkeitswahn etc.), "Das Spiel der Pharmaindustrie" (Burn-out als Modekrankheit, Antibiotika, Entzündungshemmer), und "Der vernachlässigte Alte" (Altersdiskriminierung, Missbrauch von Notärzten, Sterben als keine Option) beschäftigt: "Es gibt eine todsichere Methode, wie gesunde Menschen in der Sekunde krank werden: Sie müssen nur ein Krankenhaus besuchen oder zum Arzt gehen und 'Grüß Gott' sagen. Als Ärzte des Vertrauens dürfen wir Ihnen einen guten Rat geben: Gehen Sie nie in ein Krankenhaus, wenn es nicht wirklich notwendig ist. Wer es gesund betritt, geht mit einer Diagnose wieder raus. Jeder bekommt seine Diagnose, jeder."

Da seien einander "Der Spitzensportler, die Risikomanagerin, der Baggerfahrer, die Biologielehrerin, der Agenturchef, die Hundezüchterin, der Jazzmusiker, die Millionärin, der Verkehrspolizist, der Schriftsteller, die Papuschek-Tante und der faule Willi" gleich. Dies sollte vor allem bei den (potenziellen) Patienten für Hausverstand sorgen - und, vielleicht, für Entlastung in den Krankenhäusern. "Niemand verlässt das Haus ohne Diagnose. Das ist der Fehler im System."

Kritik an Ökonomisierung

Die Fachleute, welche ihre Anmerkungen von Andrea Fehringer und Thomas Kopf (Mitarbeit Lauren Seywald) aufzeichnen ließen, wenden sich insbesondere gegen den immer stärkeren Einfluss der Manager und ihrer Ökonomisierung der Medizin. Die Politik sei endlich gefordert: "Auf der anderen Seite können Arztpraxen kaum noch wirtschaftlich überleben, ohne am Fließband zu behandeln. Insgesamt gehen dem österreichischen Gesundheitssystem die Ärzte aus. Es lohnt sich nicht eine Kassenordination zu eröffnen, was wiederum zu einer völligen Überlastung der Spitäler führt."

Wenn Patienten sich aus der Verantwortung nähmen, Wunder erwarteten und Ärzte in ihrem Verantwortungsgefühl und in ihrer Zivilcourage versagten, sei das Unheil perfekt. "Der Machbarkeitswahn produziert horrende Kosten und fragwürdige Erfolge auch gegen den Willen von Patienten. Die digitale Revolution ist die nächste humanistische Herausforderung, währenddessen entwickelt sich längst eine Zwei-Klassen-Medizin und ohne Zusatzversicherung rücken OP-Termine in weite Ferne", wurde im Pressetext "locker" formuliert.

Und: "Die Politik verschließt die Augen, Finanzierungen wo nötig fehlen allerorts, Verantwortungen werden seit Jahren hin und hergeschoben. Nichts passiert." Dabei seien die Probleme durchaus lösbar. Erst vor kurzem hat die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) dazu ein Manifest veröffentlicht, in dem besonders auf die Ethik in der Medizin eingegangen wird.

Service: Rudolf Likar, Georg Pinter, Ferdinand Waldenberger, Herbert Janig: "Im kranken Haus - Ärzte behandeln das Gesundheitssystem". Verlag Carl Ueberreuter; 208 Seiten. ISBN 978-3-8000-7742-7; 24,95 Euro

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