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Ambra wird im Verdauungstrakt von Pottwalen gebildet © acib GmbH
Ambra wird im Verdauungstrakt von Pottwalen gebildet © acib GmbH

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Ambra aus dem Labor statt dem Wal-Darm

20.08.2019

Ambra gilt als seltenster und teuerster tierischer Duftstoff, je nach Qualität verkauft sich das Kilogramm um bis zu 50.000 Euro. Deshalb wird natürliches Ambra, das im Verdauungstrakt von Walen gebildet wird, nur in qualitativ hochwertigen, teuren Parfums verwendet. Grazer Forschern ist es nun gelungen, den Duftstoff Ambrein umweltfreundlich herzustellen, berichteten sie in einer Aussendung.

In der Parfumindustrie ist Ambra heiß begehrt, schließlich wird ihm eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben, dazu kommt sein holziges und balsamisches Aroma sowie die Fähigkeit, Düfte länger haltbar zu machen. "Als Hauptquelle von Ambra dient Ambrein. Dieser Triterpen-Alkohol wird als Stoffwechselprodukt im Darm von weniger als fünf Prozent der Pottwale gebildet", erklärte Harald Pichler vom Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) und dem Institut für Molekulare Biotechnologie der Technischen Universität (TU) Graz.

Diese meist graue, wachsähnliche Substanz wird von den Walen ausgeschieden und treibt oft jahrelang im Meer. Durch den Kontakt mit Salzwasser, Sonnenlicht und Luft entstehen aus Ambrein die Geruchsstoffe Ambrox und Ambrinol, die für den ausgewogenen Duft verantwortlich sind. Weil Ambra so selten ist und der Handel mit Pottwalprodukten verboten ist, wird es seit den 1930er-Jahren synthetisch erzeugt. Doch die bisherige Synthese ist ineffizient, teuer und umweltschädlich. Zudem fehlt den Wissenschaftern zufolge dem synthetischen Duft die natürliche, komplexe und reichhaltige Duftmischung.

Biosyntheseweg zur Gänze entwickelt

Die Wissenschafter des acib und der TU Graz haben gemeinsam mit dem Industriepartner ACS International (Aroma Chemical Services) erstmals einen zur Gänze natürlichen Biosyntheseweg entwickelt. Sie brachten die Hefe Pichia pastoris dazu, Ambrein, den natürlichen Vorläuferstoff von Ambra, herzustellen. "Das bedeutet, dass wir zum ersten Mal das gesamte Duftspektrum, wie es auch im Pottwal natürlich vorkommt, auf biosynthetischem Wege abbilden können", so Pichler.

Das kann nach Angaben der Forscher preisgünstig, in bisher unerreichter Qualität und in größeren Mengen erfolgen. "Wir können aus einer einfachen Kohlenstoffquelle wie Glycerol oder Zucker mithilfe eines optimierten Enzyms eine siebenfach höhere Ausbeute erzielen, verglichen mit bisherigen enzymatischen Prozessen", erläuterte Sandra Moser, die in ihrer Dissertation an dem Thema forscht. Die Wissenschafter haben ihr Verfahren zum Patent angemeldet und wollen es nun auf Industriegröße bringen.

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