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Risikoabschätzung nach akutem Herzinfarkt mittels MRT © APA
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Bildgebende Diagnostik zur Herz-Früherkennung

04.09.2019

Verfahren der bildgebenden Diagnostik - zum Beispiel Herz-Ultraschall (Echokardiografie) oder Magnetresonanz-Untersuchungen - können helfen, Patienten mit besonderen Herz-Risiken zu identifizieren. Dies stellten Wissenschafter aus Wien und Innsbruck beim Europäischen Kardiologenkongress (bis 4. September) in Paris mit mehr als 30.000 Teilnehmern fest.

Die Herzmuskeldeformationsanalyse mittels MRT (Magnetresonanztomografie; "strain"-Analyse") ist eine neuartige Methode zur früheren, verbesserten und genaueren Risikoabschätzung nach akutem Herzinfarkt, berichtete Sebastian Reinstadtler von der Innsbrucker Universitätsklinik. Patienten mit schlechten "strain"-Werten hatten ein etwa vierfach erhöhtes Herzinsuffizienz-Risiko. Das hilft, nach einem Herzinfarkt besonders durch chronische Herzschwäche gefährdete Personen zu identifizieren.

Die Innsbrucker Studie untersuchte deshalb 232 Patienten, die drei Tage nach dem Herzinfarkt einer umfassenden MRT-Untersuchung inklusive "strain"-Analyse unterzogen wurden. Dabei konnte gezeigt werden, dass Parameter der "strain"-Analyse signifikant mit dem Auftreten von negativen Umbauvorgängen am Herzmuskel nach vier Monaten zusammenhängen.

Brustkrebs: Früherkennung per Herzultraschall

Ebenso in Richtung Früherkennung gehen Untersuchungen per Herzultraschall bei Frauen, die gegen Brustkrebs mit sogenannten Anti-HER2-Medikamenten behandelt worden sind. Die dabei verwendeten monoklonalen Antikörper, z.B. Trastuzumab, können auch das Herz schädigen.

"Unser Ziel ist es, in allen Fällen eine potenzielle Beeinträchtigung des Herzmuskels durch die gut wirksame krebsspezifische Therapie mit Trastuzumab möglichst rasch zu erkennen und darauf reagieren zu können, um bleibende Schäden mit der Folge einer Einschränkung der Pumpleistung zu verhindern bzw. zu begrenzen", sagte Theresa Glantschnig von der Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Universität Graz.

Im Rahmen der Untersuchung wurden retrospektiv 1.136 Herzultraschallbefunde von 185 Frauen ausgewertet, die an einem lokal begrenzten HER2-neu-positivem Brustkrebs erkrankt waren. Die Ultraschalle fanden alle drei Monate während der zwölfmonatigen Therapie, sowie sechs bis zwölf Monate danach statt. Während der Behandlung nahm die Pumpfunktion bei jenen Frauen, die schließlich eine Herzmuskelschädigung erlitten, deutlich rascher ab, als bei jenen, deren Herzleistung nicht unter den Grenzwert fiel. Am Ende lag der Anteil der Patientinnen mit gestörter Pumpleistung des Herzens bei 7,6 Prozent bzw. bei 24,5 Prozent.

Per Echokardiografie lässt sich auch die Funktion der Mitralklappe des Herzens sehr leicht untersuchen. Offenbar sind an Mitralklappenschäden auch die sogenannten Papillarmuskeln beteiligt. Patienten mit solchen Problemen kann eine Resynchronisationstherapie mit einem implantierten Schrittmacher helfen, erklärte Georg Spinka von der Universitätsklinik für Innere Medizin II in Wien (MedUni/AKH).

Cholesterinspiegel senken, Herzinfarkt vorbeugen

Zur Vorbeugung eines akuten Herzinfarkts dürfte eine noch stärkere Senkung des LDL-Cholesterinspiegels als bisher anvisiert von Nutzen sein. Kardiologin Anna Ondracek vom Wiener AKH (MedUni) und ihre Co-Autoren haben dazu eine experimentelle Studie durchgeführt. An Immunzellen von Herzinfarkt-Patienten (neutrophile Granulozyten) zeigten sie, dass jene von Erkrankten mit hohen LDL-Cholesterinwerten stärker zur Ausbildung von klebrigen Netzen neigen, welche schließlich die Bildung von Infarkt-Thromben begünstigen.

Für Aufsehen sorgte in Paris schließlich auch eine Studie, in der Hinweise dafür gesammelt wurden, dass innovative Blutzucker-senkende Medikamente wie die sogenannten SGLT2-Inhibitoren, welche eine vermehrten Zuckerausscheidung über die Nieren bewirken, auch einen positiven Effekt auf chronische Herzschwäche haben. In einer Untersuchung mit Dapagliflozin an rund 4.700 Patienten zeigten sich hoch signifikante Ergebnisse bei Verwendung des Arzneimittels unter anderem auf die Hospitalisierungshäufigkeit und die Herz-Kreislauf-Mortalität. Bemerkenswert ist, dass nur weniger als die Hälfte der Probanden wirklich Diabetiker waren.

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