Medizin & Biotech

Steigerungsrate der Covid-19-Fälle von 23,2 Prozent pro Tag © APA (dpa)
Steigerungsrate der Covid-19-Fälle von 23,2 Prozent pro Tag © APA (dpa)

Kooperationsmeldung

Coronavirus - AGES-Experten: Reale Daten österreichischer Entwicklung

13.03.2020

Die erste Berechnung des Verlaufs der Covid-19-Erkrankungen auf der Basis realer Daten der Gesundheitsbehörden in Österreich liegt vor. Die Experten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) gehen von einer Steigerungsrate der Erkrankten von 23,2 Prozent pro Tag aus. Die Verdopplungszeit dürfte 3,3 Tage betragen. Ein Infizierter steckt im Durchschnitt 1,62 weitere Personen an.

"Epidemiologische Parameter des COVID19 Ausbruchs, Österreich, 2020", lautet der Titel der Publikation, welche AGES und das Institut für Statistik der Technischen Universität (TU) Graz erstellt haben.

Demnach ist derzeit für Gesamtösterreich mit einer Steigerungsrate der Covid-19-Fälle von 23,2 Prozent pro Tag zu rechnen. Das ergibt sich aus der bisherigen Entwicklung. Die Verdopplungszeit ist 3,3 Tage und die gegenwärtige effektive Reproduktionszahl ist 1,62 (R0: 1,62; Anm.). Letzteres ist relativ gering. Die Basisreproduktionsrate von Influenza - wie viele weitere Infektionen durch einen Erkrankten im Durchschnitt in der Allgemeinbevölkerung ausgelöst werden - liegt bei einem Faktor um die 2. Jene von Masern liegt hingegen bei 12 bis 18. In Wuhan wurde am Beginn der Covid-19-Epidemie ebenfalls von einem R0-Wert vom Faktor 2 ausgegangen.

Tirol und OÖ stärker betroffen

Tirol und Oberösterreich dürften laut den neuen Daten, die aus den Informationen des elektronischen Meldesystems (EMS) des österreichischen Gesundheitswesens errechnet wurden, stärker betroffen sein. Hier wird von einer Steigerungsrate pro Tag von 25,1 Prozent ausgegangen. Die Verdopplungszeit der Zahl der Erkrankungen liegt bei 3,1 Tagen, die Basisreproduktionszahl bei 1,93.

Alle anderen Bundesländer sind derzeit offenbar mit einer schwächeren Ausbreitung des neuen Coronavirus konfrontiert: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, die Steiermark, Vorarlberg und Wien haben bisher laut den AGES- und TU-Graz-Experten eine tägliche Steigerungsrate der Fälle von 16,4 Prozent gezeigt. Sie verdoppelt sich demnach alle 4,6 Tage. In diesen Bundesländern inklusive der Millionenstadt Wien liegt die R0-Rate - eben wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt - beim Faktor 1,45.

Für eine Unterdrückung der Covid-19-Erkrankungswelle wäre das Erreichen eines R0-Wertes unter dem Faktor 1 entscheidend. Da es keine ursächlich wirksame Therapie gibt, können das derzeit also nur seuchenhygienische Maßnahmen bewirken.

Solide Daten aus SARS-CoV-2-Erkrankungen

Die Berechnungen der Experten beruhen auf soliden Daten aus den in Österreich erfolgenden SARS-CoV-2-Erkrankungen, erklärten Franz Allerberger (AGES/Öffentliche Gesundheit) und Epidemiologin Daniela Schmid gegenüber der APA.

"Es sind Daten auf der Basis von Infektionen, die in Österreich passiert sind", sagte Allerberger. Man hätte mit den Berechnungen auch eine gute Basis für die Evaluierung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Erkrankungswelle. "Ich wäre sehr vorsichtig, was die Zukunft betrifft", sagte der Experte. In der Vergangenheit seien angekündigte "Pandemien" oft nicht eingetreten, die aktuelle Situation sei aber im Vergleich zur Influenza anders: "Das ist ein neuer Erreger, für den jeder empfänglich ist."

Daniela Schmid von der Nationalen Referenzzentrale für Influenza-Epidemiologie betonte gegenüber der APA die für Österreich womöglich entscheidenden Charakteristika der neuen Berechnungen. "Wir sind von 267 Erkrankungsfällen ausgegangen."

Reproduktionsrate auf lokaler Ebene

Dies würde die Zahl der Covid-19-Fälle in Österreich widerspiegeln, die auf Infektionen innerhalb des Landes und in den Berechnungen innerhalb von Bundesländern beruhten. 53 quasi aus dem Ausland importierte Fälle seien ausgeschieden worden. Die Reproduktionsrate des Coronavirus in Österreich sei damit die effektive Reproduktionsrate auf quasi lokaler Ebene.

Darüber hinaus hätte man nicht Verdachtsfälle, sondern den Krankheitsbeginn auf der Basis des elektronischen Meldesystems verwendet. "Die Idee ist es, am Ende jeden Tages die Entwicklung neu zu modellieren", sagte die Expertin. Damit könne man den Verantwortlichen auch Daten für Maßnahmen zur Verfügung stellen.

Service: AGES - Epidemiologische Parameter des COVID19 Ausbruchs

STICHWÖRTER
Epidemie  | Viruserkrankung  | Medizin  | Wien  | Koop  | Gesundheit  | Krankheiten  | Infektionen  | Wissenschaft  | Forschung  | Coronavirus  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung