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Kapazität für Tests erhöhe sich in Österreich exponentiell, so Allerberger © APA (AFP)
Kapazität für Tests erhöhe sich in Österreich exponentiell, so Allerberger © APA (AFP)

Kooperationsmeldung

Coronavirus - AGES-Experten hinter Tests und Epidemiologie

17.03.2020

Im Hintergrund der Aktivitäten zur Dämpfung der Covid-19-Epidemie in Österreich stehen Labors und Expertise der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). "Wir haben die Virustests mit 11. Februar etabliert. Bei uns läuft die epidemiologische Überwachung der Entwicklung zusammen", sagte der Leiter des Bereichs Öffentliche Gesundheit, Franz Allerberger, gegenüber der APA.

"Wir bündeln bei der AGES die Personalressourcen und die Laboreinrichtungen, um die Coronavirus-Diagnose sicher abzudecken. Gemeinsam mit dem Institut für Virologie der MedUni Wien als Referenzzentrale haben wir uns erstmals bereits im vergangenen Jänner damit beschäftigt. Die AGES hat derzeit eine tägliche Testkapazität auf SARS-CoV-2 von rund 500 Tests. Das ist mehr als gegenwärtig die US-Zentren für Krankheitskontrolle (CDC; Anm.) haben. Die Zahl der Covid-Fälle erhöht sich derzeit exponentiell. Die Kapazität für die Tests erhöht sich in Österreich derzeit ebenfalls exponentiell", stellte der Experte die derzeitige Situation dar. In Wien laufen die AGES-Untersuchungen am hauseigenen eigenen Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene Wien, auch Zentrum für anthropogene Infektionen, unter seinem Leiter Alexander Indra.

Die Gründe für die schnelle Vermehrung der Kapazitäten liegt einfach darin, dass immer mehr Labors in Österreich die Untersuchungen anbieten können. "Wir haben in Österreich bereits mehr als hundert Stellen. Die Universität für Veterinärmedizin und molekularbiologische Einrichtungen beteiligten sich bereits. Die Universitätskliniken testen, die Privatlabors steigen ein. Und schließlich bieten die industriellen Hersteller kommerziell jetzt große automatisierte Anlagen an", sagte Allerberger. Letzteres ist aber erst im Laufen. Bei der AGES hat man beispielsweise ein eigenes Labor in Linz von Untersuchungen auf die Afrikanische Schweinepest, eine ausschließlich die Viehzucht betreffende Viruserkrankung, auf SARS-CoV-2 umgerüstet. Die AGES bietet auch im Hintergrund ihre Labors für die Unterstützung von Bundesländern an, die mit ihren Testkapazitäten noch nicht auskommen. Gleichzeitig fallen die Preise für die Tests, von ehemals 250 Euro pro Fall haben sie sich bereits auf 70 Euro reduziert.

Information über das Virus

"Unsere zweite Hauptaufgabe ist die Information über SARS-CoV-2. Das erfolgt über die AGES-Homepage. Wir haben aber auch viele Anfragen", so Allerberger. Das betreffe zum Beispiel die Desinfektion von Räumlichkeiten nach einem Covid-19-Fall oder die Frage von Abfällen. Letztere sind ganz normal wie Hausmüll zu behandeln.

Schließlich sind AGES-Epidemiologen in Österreich die Speerspitze der Überwachung der Entwicklung was Infektionen, Erkrankungen und Todesfälle durch Covid-19 betrifft. "Bei uns laufen die Informationen des epidemiologischen Meldesystems (EMS; Anm.) zusammen und werden ausgewertet. Das ist für die Gesundheitspolitik wichtig, weil man dort fundierte Informationen zur Planung und Durchführung der Maßnahmen benötigt", betonte Allerberger.

"Wir haben derzeit rund 1.000 Covid-19-Erkrankungen. Das kann sich in den nächsten Wochen auf 10.000 erhöhen. Die Gesundheitspolitik braucht da fundierte Zahlen", betonte der Experte. Täglich wird an Wochentagen jetzt eine Analyse der Epidemiologen der AGES und von TU Graz-Wissenschaftern erstellt. Damit lässt sich die Entwicklung rund um SARS-CoV-2 in Österreich bis auf Bezirksebene hinunter darstellen, ebenso die Altersentwicklung der Betroffenen etc.

Leben mit SARS-CoV-2

Die große Frage ist trotzdem, wie sich Covid-19 bzw. die Situation rund um SARS-CoV-2 in Österreich und der Welt weiterentwickelt. "Ich würde meinen, dass wir mit SARS-CoV-2 leben werden müssen", sagte Allerberger. Es sei bereits angemerkt worden, dass wahrscheinlich 60 bis 70 Prozent einer Bevölkerung mit dem Virus in Kontakt gekommen sein müssen, damit ein immunologischer (Herden-)Schutz entsteht. Dabei stelle sich die Frage, wie lange man wirklich noch die Testmaschinerie in der derzeitigen Form praktizieren werde.

Die derzeitigen PCR-Tests auf SARS-CoV-2 messen mit Virus-RNA-Teilen buchstäblich "totes Material". Immer wichtiger werde in Zukunft die Testung auf bereits vorliegende Antikörper gegen das neue Coronavirus werden. "Damit kann man feststellen, ob jemand schon in Kontakt gekommen ist und dass er durch die Immunreaktion (Antikörper; Anm.) nunmehr geschützt ist", sagte Allerberger. "Wir arbeiten bereits an der Etablierung von Antikörpertests."

Im Endeffekt gehe es zuoberst um den Schutz der Betagten und Hochbetagten. "Für 80- und 90-Jährige kann jeder Atemwegsinfekt einer zuviel sein. Und Covid-19 ist ein solcher Infekt, auch vergleichbar mit einer Influenza. Allerdings mit einer Mortalitätsrate von zwei Prozent. Ganz klar: Wer jetzt schnupft, hustet oder grippeähnliche Symptome hat, bleibt zu Hause", sagte der Experte. Und betagte Menschen müssten eben jetzt ebenfalls soziale Kontakte so gut wie möglich meiden. Die Menschheit sei eben noch nie auf dieses Virus gestoßen. Anders als bei der Influenza könne es daher auch noch keinen immunologischen Schutz durch eine überstandene Infektion geben.

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