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Epidemiologe: Bis zu ersten klinischen Versuchen werde es Monate dauern © APA (AFP)
Epidemiologe: Bis zu ersten klinischen Versuchen werde es Monate dauern © APA (AFP)

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Coronavirus - Impfstoff wohl frühestens in einem Jahr verfügbar

23.01.2020

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die in China ausgebrochene neue Lungenkrankheit wird nach Einschätzung der globalen Impfallianz Gavi mindestens ein Jahr dauern. Noch seien die Gefahren durch das Coronavirus auch schwer abzuschätzen, sagte der Gavi-Geschäftsführer und Epidemiologe Seth Berkley in Berlin.

"Die gute Nachricht ist, dass Forscher das Genom des Virus bereits sequenziert und veröffentlicht haben. Das hat es mehreren Organisationen rund um die Welt möglich gemacht, mit der Arbeit an einem Impfstoff zu beginnen", sagte er.

Impfstoffe, die gegen Coronaviren schützen, seien weitaus leichter zu entwickeln als Vakzine gegen Krankheiten wie Malaria oder HIV. "Trotzdem wird es bis zu ersten klinischen Versuchen Monate dauern und mindestens ein Jahr, bevor ein Impfstoff zur Anwendung verfügbar ist", sagte Berkley.

Zahl der Toten in Wuhan steigt auf 17

Weil in China immer mehr Menschen mit Grippesymptomen auf das neue Virus getestet werden, nimmt die Zahl der bestätigten Fälle unaufhörlich zu. Bis 22. Jänner wurde das Virus bei 544 Menschen nachgewiesen, wie die chinesische Ausgabe der "Global Times" im Kurznachrichtendienst Weibo berichtete. Die Zahl der Toten stieg nach Angaben der Regierung der Provinz Hubei in der schwer betroffenen Metropole Wuhan auf 17. Auch außerhalb Chinas wurden weitere Infektionen bekannt. Die Krankheit kursiert seit Dezember.

Die globale Impfallianz Gavi ist weltweit engagiert, um den Impfschutz gegen Krankheiten zu verstärken und Staaten im Gesundheitswesen zu beraten - mit erheblicher Finanzhilfe aus Deutschland. Die Organisation bat die Bundesregierung zuletzt um 700 Millionen Euro, um den Schutz von Kindern und den vereinfachte Zugang zu Impfungen in Entwicklungsländern auszubauen.

Schnelle Reaktion und Transparenz

Gavi will ihre Anstrengungen für einen Ausbau des weltweiten Gesundheitsschutzes verstärken. Für einen Erfolg seien bessere Gesundheitssysteme und eine schnellere Reaktion auf ansteckende Krankheiten nötig, aber auch mehr Transparenz bei Ausbrüchen, sagte Berkley.

Mögliche Epidemien seien eine Frage der weltweiten Sicherheit. Gavi wurde vor 20 Jahren beim Weltwirtschaftsforum in Davos aus der Taufe gehoben. Bis Ende 2018 sind nach Angaben der Impfallianz rund 760 Millionen Kinder als Teil des Programms geimpft worden. Die Impfraten in den ärmsten Ländern der Welt befinden sich auf einem historischen Höchststand.

Gavi setzt auf Digitalisierung von Gesundheitsdaten

"In der jüngeren Geschichte sind mehr Menschen an krankheitsbedingten Problemen gestorben als wegen Kriegen", sagte Berkley. "Wenn wir über diese Art von Sicherheitslagen nachdenken, sind eine genaue Überwachung und eine Verfügbarkeit von Daten absolut entscheidend sowie Menschen, die so eine Lage managen können."

Gavi setzte auf die Digitalisierung von Gesundheitsdaten. Weltweit haben demnach 90 Prozent der Kinder eine Gesundheitskarte, die noch vor der Geburts- oder Heiratsurkunde das wichtigste persönliche Dokument sei. "Das Problem ist, es ist ein Stück Papier. Man kann es verlieren oder es wird zerstört, weil man beispielsweise Flüchtling ist", sagte Berkley. Ideal sei ein Datensystem, das Kinder und Familien identifiziert, Impfungen verzeichnet und auch Erinnerungen schickt.

Traditionell ist Asien ein Brennpunkt ansteckender Krankheiten gewesen, auch mit resistenten Erregern. So sei im Grenzgebiet zwischen Thailand und Kambodscha Malaria resistent geworden, sagte Berkley. Zwischen Afghanistan und Pakistan gebe es weltweit die letzte verbliebene Region mit dem Polio-Wildvirus. Künftig könne sich Afrika wegen des Bevölkerungswachstums und der Migrationsbewegungen sowie Armut und klimatischer Veränderungen zu einem Brennpunkt entwickeln.

Kontinuierliche Investitionen notwendig

In Systeme zur Bekämpfung von Krankheiten müsse weltweit und kontinuierlich investiert werden, forderte er. Er zog einen Vergleich zu mehrfach abgesicherten militärischen Abwehrsystemen, in die große Beträge investiert werden.

"Die Tatsache, dass wir uns so schnell bewegen können, führt zu einer schnellen weltweiten Verbreitung. Man kann Abendessen in Nairobi haben, Frühstück in Berlin und Mittagessen in New York", sagte Berkley.

Die größte Gefahr gehe weiter vom Grippevirus (Influenza) aus, das bei einem Ausbruch auch entwickelte Gesundheitssysteme überfordern könne. Eine reale Gefahr seien auch bisher noch nicht aufgetretene oder wahrgenommene Infektionskrankheiten, die als "Krankheit X" bezeichnet werden. "Das ist keine Möglichkeit, es ist eine Realität", sagte er. "Es könnte auch eine altbekannte Krankheit sein, aber mit einem gänzlich anderen Resistenzmuster."

Service: Gavi-Website: https://www.gavi.org

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