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Lokale Proben analysiert © APA (AFP/Guez)
Lokale Proben analysiert © APA (AFP/Guez)

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Coronavirus - Italienische Forscher: SARS-CoV-2 erstaunlich stabil

25.03.2020

RNA-Viren zeichnen sich normalerweise durch eine hohe Mutationsrate aus. Das liegt an der Fehleranfälligkeit ihres Erbgut-Replikationsmechanismus. Bei SARS-CoV-2 ist das offenbar kaum der Fall, haben italienische Wissenschafter durch Genom-Sequenzierung herausgefunden. Das könnte Angst vor Mutationen zu aggressiveren Virusvarianten dämpfen und für längerfristig wirksame Impfungen sprechen.

Zwei im Bereich der Infektionskrankheiten tätige Forscherteams in Italien haben das SARS-CoV-2-Genom anhand von lokalen Proben weiter analysiert und können anhand erster Daten ein Maß an genetischer Variabilität aufzeigen, das vermuten lässt, dass das Genom des sich schnell ausbreitenden Virus stabil ist", hieß es in einer Aussendung des Labortechnik-Konzerns "Thermo Fisher Scientific", der Next-Generation-Sequencing-Ausrüstung herstellt (NGS).

Proben aus China und Italien sequenziert

Die beiden unabhängigen Forschungsteams vom Nationalen Institut für Infektionskrankheiten Lazzaro Spallanzani (IRCCS) in Rom und der Forensischen Abteilung des Departments für Biomedizinische Wissenschaften und öffentliche Gesundheit (DSBSP) am Universitätsklinikum Ancona sequenzierten mehrere Proben - offenbar aus Italien - und identifizierten Genvarianten von SARS-CoV-2 im Vergleich mit dem Referenzgenom des ursprünglichen Wuhan-Coronavirus.

Viren, die über kurze Zeiträume schnell mutieren, machen es schwierig, Impfstoffe zu entwickeln, die Menschen wirksam vor einer Infektion schützen. "Die geringe Anzahl von Varianten, die in den Proben zwei Monate nach der ersten Sequenzierung des Virus in China entdeckt wurden, lässt vermuten, dass es sich bei SARS-CoV-2, das nach Schätzungen mehr als 64.000 Menschen in Italien und 380.000 Menschen weltweit infiziert hat, um einen relativ langsam mutierenden Erreger handelt", hieß es in der Aussendung.

Ultraschnelle Genom-Sequenzierungen extrem wichtig

Im Grunde genommen wären solche ultraschnell ablaufende Genom-Sequenzierungen von SARS-CoV-2 in verschiedenen Ländern und Weltregionen extrem wichtig, um die Verbreitungswege des Covid-19-Erreger nachzuverfolgen. Darüber hinaus geht es auch um die Basis für die Identifizierung von möglichst breit verwendbaren Therapeutika. Schließlich sollte ein möglicher Impfstoff ebenso breit wirken und am besten einige Jahre lang verwendet werden können. Sonst wäre die Situation so wie bei den Vakzinen zum Schutz gegen die saisonale Influenza, die oft an Mutationen der Erreger angepasst werden müssen.

Stefano Menzo, Leiter der Virologie am Universitätsklinikum Ancona, erklärte zu den Ergebnissen: "Bei anderen Viren hätten wir nach so vielen Patienten-Infektionszyklen Dutzende von neuen Mutationen erwartet. Unsere ersten Daten zeigen, dass es sich um ein sehr stabiles Virus mit nur fünf neuartigen Varianten handelt. Ein Virus mit einem stabilen Genom ist vielversprechender für die Impfstoffentwicklung, denn dies zeigt, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe, möglicherweise über viele Jahre hinweg, lang anhalten könnte".

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