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Coronavirus - Kardiologen warnen erneut vor ACE-Spekulationen

31.03.2020

Seit Wochen tauchen immer wieder Behauptungen auf, wonach die Einnahme von bestimmten Blutdruck- bzw. Herzschwächemedikamenten - von ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten - Covid-19-Erkrankungen fördern könnten. Die Österreichische Kardiologische Gesellschaft verwies - wie schon andere Experten zuvor auch - auf die fehlende wissenschaftliche Basis solcher Meinungen.

"Der postulierte Zusammenhang zwischen einer Covid-19-Erkrankung und den genannten Medikamenten ist rein spekulativ und leitet sich aus tierexperimentellen Befunden ab, wonach SARS-CoV-2 am sogenannten ACE2-Rezeptor in der Lunge gebunden wird und andererseits ACE2 unter einer Therapie mit ACE-Hemmern und Angiotensin-Rezeptor-Blockern vermehrt gebildet wird", erklärte der Präsident der Fachgesellschaft, Peter Siostrzonek, in einer Aussendung.

Therapie könnte Corona-Verlauf abschwächen

Andere Studien gäben stattdessen - ebenfalls spekulativ - gegenteilige Hinweise, wonach die entsprechende Therapie den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung sogar abschwächen könnte. "Es gibt keinen schlüssigen wissenschaftlichen Beweis für einen Zusammenhang in die eine oder andere Richtung", wurde der Kardiologe zitiert. In den vergangenen Wochen hat sich genauso auch die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) geäußert.

Auch der Rektor der MedUni Wien, Markus Müller, ein Klinischer Pharmakologe, hat sich gegenüber der APA ausgesprochen kritisch zu solchen Meldungen geäußert. Michael Freissmuth, Leiter des Zentrums für Physiologie und Pharmakologie der Meduni Wien, fügte hinzu: "Es gibt aber überhaupt keine wissenschaftliche Evidenz (Beleg; Anm.) dafür, dass da irgendetwas gefährlich sein könnte." Er, Freissmuth, müsse sich bemühen, in solchen Diskussionen die Contenance zu bewahren.

Nehmen Menschen mit Bluthochdruck oder chronischer Herzschwäche die ihnen verordneten Arzneimittel nicht ein, droht ihnen akut jedenfalls eine gefährliche Verschlechterung ihres Zustandsbildes. ACE-Hemmer haben vor einigen Jahren die Überlebenschancen von Patienten mit Herzinsuffizienz deutlich gesteigert.

Patienten sollen nicht verunsichert werden

Siostrzonek (Ordensklinikum Linz) stellt fest: "Wir sollten uns jetzt nicht an öffentlichen Spekulationen beteiligen, da dies nur zu einer weiteren Verunsicherung vieler Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck und Herzinsuffizienz führt. ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker werden sehr häufig und wirksam bei diesen Erkrankungen eingesetzt."

Es würden die mit der ÖKG übereinstimmenden Aussagen der European Society of Cardiology, der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und des American College of Cardiology gelten: "Ein Absetzen der Medikamente oder ein Wechsel auf andere Präparate ist nicht indiziert und sollte wegen des Risikos eines akuten Herzinfarktes oder Schlaganfalls unbedingt vermieden werden."

Darüber hinaus: Immunsupprimierte Patienten, ältere multimorbide Patienten, Patienten mit Lungenvorerkrankung, aber auch Diabetiker und Patienten mit chronischen Herzerkrankungen seien generell als Risikopatienten zu klassifizieren und sollten sich daher ganz besonders schützen.

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