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Die psychische Überlastung hat laut den Studien-Autoren mehrere Ursachen © APA (AFP)
Die psychische Überlastung hat laut den Studien-Autoren mehrere Ursachen © APA (AFP)

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Coronavirus - Mentale Überbelastung bei medizinischem Personal Chinas

26.03.2020

Der Kampf gegen das Coronavirus hinterlässt bei den Protagonisten seelische Wunden, berichten chinesische Mediziner im "Journal of the American Medical Association - Network Open". Vor allem Ärztinnen und Krankenschwestern, die in stark betroffenen Gebieten direkt Covid-19-Patienten helfen, bekommen dadurch Angstzustände, Depressionen, Schlafstörungen und Überlastungssyndrome.

Ein Team um Zhongchun Liu von der Psychiatrischen Abteilung der Renmin-Universitätsklinik in Wuhan (China) befragte das medizinische Personal (1.257 Personen) in 34 Spitälern, wo Coronaviren-Patienten behandelt wurden, nach ihrer psychischen Belastung und möglichen Symptomen. Ein Großteil (71,5 Prozent) berichtete von Stress-Überlastung, rund die Hälfte (50,4 Prozent) litt unter Depressionen bzw. Angstzuständen (44,6 Prozent) und gut ein Drittel (34,0 Prozent) hatte Schlafstörungen.

Frauen häufiger betroffen

Frauen wurden davon häufiger heimgesucht als Männer und Krankenschwestern öfter als Ärztinnen, schrieben die Mediziner. Außerdem war die Gefahr für psychologische Probleme beim Personal in den am stärksten betroffenen Gebieten, also der Provinz Hubei und vor allem ihrer Hauptstadt Wuhan, größer als in den anderen Landesteilen. Schließlich waren auch die Kämpfer an vorderster Front, die in den Kliniken direkt mit der Diagnose, Therapie und Pflege von Covid-19 Patienten beschäftigt waren, mehr betroffen als jene, die sie im Hintergrund unterstützten.

Die psychische Überlastung hat wohl mehrere Ursachen, so die Autoren der Studie: Ständig mehr werdende Verdachts- und bestätigte Fälle, überbordende Arbeitspensen, das Ausgehen von Schutzmasken und -Anzügen sowie nötiger Medikamente, Medienrummel, sowie das Gefühl, dass man nicht ausreichend unterstützt wird. Dazu kämen die Angst, angesteckt zu werden oder die Viren in die eigene Familie, zu Freunden und Kollegen zu tragen, Unsicherheit und Stigmatisierung, erklären sie. Unter den Krankenschwestern waren außerdem sehr viele (71,5 Prozent) junge Frauen, die sich ohne langjähriger Berufserfahrung gegen das vielen Menschen den Tod bringende Virus bewähren mussten.

"Vor allem das medizinische Personal an der Frontlinie in Wuhan hat besonders hohe Risiken für Symptome der Depression, Angstzustände, Schlafstörungen sowie Stress-Überlastung, demnach braucht ihre geistige Gesundheit spezielle Aufmerksamkeit", schrieben die Mediziner.

Service: http://dx.doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2020.3976

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