Medizin & Biotech

APA

Coronavirus - Stichwort: Replikationsfaktor

30.03.2020

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie würden wirken, aber die Ausbreitung in Österreich müsse deutlich stärker und weiter gedrückt werden, "der Replikationsfaktor muss unter eins sinken und mittelfristig in Richtung Null verlaufen". Das sagte Bundeskanzler Sebastian Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag. Mit dem "Replikationsfaktor" sprach er die für eine Epidemie alles entscheidende Größe an.

Mit dem Replikationsfaktor (R0) wird die durchschnittliche Anzahl der Leute angegeben, die ein Infizierter ansteckt, bevor er wieder gesund wird oder stirbt. Wenn der Wert von R0 etwa zwei beträgt, steckt jeder Kranke im Schnitt zwei Personen an. Aus einem Infizierten werden also zwei, dann vier, dann acht, usw.

Passiert das in einem Rhythmus von jeweils einem Tag, hätte man nach etwas mehr als zwei Wochen 100.000 Infizierte - das ist ein sogenanntes "exponentielles Wachstum". Genau betrachtet hängt die Zahl der Personen, die ein Infizierter im Schnitt ansteckt, auch davon ab, wie viele Leute schon immun sind. Am Beginn einer Epidemie, also wenn erst wenige Prozent der Bevölkerung infiziert sind, kann man diesen Effekt vernachlässigen.

R0 in Expertenpapier mit 2,8 angegeben

Der Basisreplikationsfaktor von Influenza liegt bei einem Wert um die zwei. Bei Masern liegt der Wert bei zwölf bis 18. In dem Expertenpapier, das Grundlage für die heutigen Entscheidungen der Bundesregierung war, wird R0 für Covid-19 mit 2,8 angegeben, "falls keine Maßnahmen ergriffen werden". In einer ersten Berechnung der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurde Mitte März noch ein R0 von 1,62 für Covid-19 in Österreich angegeben.

Das Wachstum der Infizierten in einer Epidemie kommt erst zum Stillstand, sobald der Anteil der Immunisierten in der Bevölkerung groß genug ist. Wie groß dieser Anteil sein muss, hängt stark vom Replikationsfaktor ab. Hat dieser einen Wert von 2,8, breitet sich die Infektion sehr weit aus und das Wachstum kommt erst bei 65 Prozent infizierten zum Erliegen. Bei einem R 0 von 1,02 stoppt das Wachstum bereits, wenn etwa zwei Prozent Bevölkerung infiziert wurden, heißt es in dem Expertenpapier. Ist der Wert kleiner als eins, stirbt die Krankheit exponentiell schnell aus. In einigen asiatischen Ländern ist es gelungen, den Replikationsfaktor von anfänglichen Werten von etwa 4 auf unter eins zu drücken.

STICHWÖRTER
Epidemie  | Viruserkrankung  | Forschung  | Wien  | Gesundheit  | Krankheiten  | Infektionen  | Wissenschaft  | Mathematik  | Coronavirus  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung