Medizin & Biotech

Das Bewusstsein für Schlaganfallsymptome sei fest verankert © APA (
Das Bewusstsein für Schlaganfallsymptome sei fest verankert © APA (

APA

Coronavirus: Oft schwere Krankheitsverläufe bei Schlaganfallpatienten

27.10.2020

Anlässlich des Welt-Schlaganfalltages am 29. Oktober hat der Innsbrucker Epidemiologe und Schlaganfall-Experte Stefan Kiechl den Zusammenhang von Schlaganfällen mit dem Coronavirus aufgezeigt. Der Virus würde laut aktuellen Studien Schlaganfälle begünstigen. Umgekehrt seien schwere Infektionsverläufe bei Schlaganfallpatienten doppelt so häufig wie bei gefäßgesunden Menschen, teilte die Medizinische Universität Innsbruck mit.

Es ist bekannt, dass eine Infektion mit dem Coronavirus neben Fieber, Husten und Atembeschwerden auch neurologische Symptome verursachen kann. "Inzwischen wissen wir, dass das neue SARS-Virus eine höhere Potenz hat, Schlaganfälle auszulösen, als das Grippevirus, wenngleich die absoluten Zahlen gering sind", verwies Kiechl auf aktuelle Erkenntnisse. Daten aus New York würden belegen, dass 1,6 Prozent aller COVID-19 Patienten, die aufgrund schwererer Verläufe ins Krankenhaus mussten, einen Schlaganfall erleiden. Wie sich die Schlaganfallsituation in den vergangenen Monaten landesweit im Detail entwickelte, werde, so Kiechl, in einer bereits beantragten Studie untersucht.

Hinweise, dass Menschen mit Schlaganfallsymptomen seit Ausbruch der Pandemie weniger oft zum Arzt gehen, gäbe es in Österreich nicht. "Das Bewusstsein für Schlaganfallsymptome ist bei den ÖsterreicherInnen fest verankert", stellt Kiechl fest. Kiechl, der die Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie leitet, konnte erst kürzlich den hohen Stellenwert einer intensivierten Schlaganfall-Nachsorge für die Genesung der Patienten belegen.

Häufigkeit steigt mit Alterung der Gesellschaft

Rund 25.000 Österreicher erleiden pro Jahr einen Schlaganfall. Mit der älter werdenden Gesellschaft geht laut der Medizinischen Universität auch ein Anstieg der Schlaganfallhäufigkeit einher. Dank guter Akutversorgung und spezialisierter Einrichtungen würden jedoch weniger Menschen am Schlaganfall sterben.

Menschen mit ausgewiesenem Risiko-Profil empfiehlt Schlaganfall-Experte Kiechl verschriebene Medikamente weiter zu nehmen, sich gegen Grippe impfen zu lassen, auf Bewegung und gesunde Ernährung zu achten, Vorsorge wahrzunehmen und bei Schlaganfallsymptomen sofort die Rettung zu rufen. "Keine Angst vor dem Arztbesuch und dem Krankenhaus – es hat sich herausgestellt, dass das Infektionsrisiko in Krankenhäusern sehr gering ist", beruhigte der Mediziner.

STICHWÖRTER
Epidemie  | Viruserkrankung  | Medizin  | Tirol  | Bez. Innsbruck  | Innsbruck  | Gesundheit  | Krankheiten  | Infektionen  | Wissenschaft  | Forschung  | Coronavirus  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung