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Der Erreger wird von Stechmücken übertragen © APA (dpa)
Der Erreger wird von Stechmücken übertragen © APA (dpa)

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Deutsche Forscher: West-Nil-Virus könnte sich weiter verbreiten

10.04.2019

Wissenschafter rechnen nach einem Agenturbericht wegen des milden Winters heuer mit einer weiteren Verbreitung des West-Nil-Virus (WNV) in Deutschland. Prinzipiell könne man jetzt noch nicht sagen, ob sich das Virus heuer stärker vermehre, betonte aber Stephan Aberle vom Department für Virologie der MedUni Wien auf APA-Anfrage.

"Ein warmer Winter hat vermutlich weniger Bedeutung als ein warmer Frühling", sagte Aberle. Der Fachmann sieht nach einem "EU-weit starken Jahr" eine gesteigerte Aufmerksamkeit bezüglich des WNV insbesondere in Deutschland, nachdem es dort im vergangenen Jahr zum ersten Mal bei Tieren entdeckt worden war.

Der Erreger wird von Stechmücken übertragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus in diesem Winter in diesen überlebt hat, sei sehr groß, meint laut einer Meldung der dpa die Virologin Ute Ziegler vom deutschen Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Das West-Nil-Virus (WNV) vermehrt sich nach ihren Worten in Stechmücken umso schneller, je wärmer die Umgebung ist. Habe es zur Vermehrung 2017 im Schnitt noch 17 bis 21 Tage gebraucht, seien es im warmen Sommer 2018 in Mitteldeutschland oft nur zwölf bis 14 Tage gewesen.

Gehäufte Einzelfälle erwartet

Das ursprünglich aus Afrika stammende Virus kommt auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. In Süd- und Osteuropa starben im vergangenen Jahr 181 Menschen an einer WNV-Infektion, mehr als 2.000 erkrankten. Wie sich das Virus in Deutschland in diesem Jahr verbreiten wird, sei noch völlig offen, sagte Ziegler. Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger erwartet in den kommenden Jahren keinen größeren Ausbruch, geht aber von "gehäuften Einzelfällen" bei Menschen aus.

In Österreich wurden 2018 insgesamt 27 Fälle des West-Nil-Virus festgestellt. Zu 80 Prozent verläuft eine Infektion ohne Symptome, sonst zumeist mit Symptomen einer milden fieberhaften Erkrankung. Bei 0,7 Prozent der Betroffenen entwickelt sich aber eine neurologische Symptomatik. Die Kranken müssen dann stationär aufgenommen werden. Ähnlich wie bei FSME sind schwere Verläufe bei älteren Personen häufiger.

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