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Forscher stellten "Auftragskiller"-Zellen gegen Tumore her

13.11.2017

Immuntherapien sind derzeit die großen Hoffnungsträger in der Krebsmedizin. ETH-Zürich-Wissenschafter haben nun Nieren- und Fettzellen zu künstlichen Immunzellen umprogrammiert, die wie Auftragskiller gegen Krebszellen vorgehen.

Wissenschafter um Martin Fussenegger von der ETH Zürich in Basel stellten jetzt eine Methode vor, um aus Nieren- und Fettstammzellen künstliche T-Zellen (Immunzellen) zu erzeugen. Diese statteten sie mit dem nötigen Werkzeug aus, um wie Auftragskiller auf Krebszellen loszugehen.

Die Experten bauten den Zellen dafür drei Komponenten ein, wie die Universität mitteilte: Spezifische Andockstellen, mit denen sie Strukturen auf den Krebszellen erkennen, molekulare Antennen, die weit aus der Zelle herausragen, sowie eine Art "Raketenkopf", der in die Tumorzelle eindringt.

Der Raketenkopf trägt ein Konvertermolekül, das einen Anti-Tumor-Wirkstoff in der Krebszelle aktiviert. Die Vorläufersubstanz davon fügten die Wissenschafter von außen hinzu, und sie wurde von den Krebszellen aufgenommen.

Erkennt die Designerzelle eine Krebszelle dank ihrer spezifischen Andockstellen, zieht sie ihr "Opfer" nahe an sich heran. Weil die molekularen Antennen dabei verbogen werden, wird im Inneren der Designer-Zelle die Produktion des Raketenkopfes angeworfen.

Dieser dringt dann mitsamt des Konvertermoleküls in die Krebszelle ein und wandelt die Vorläufersubstanz in den Anti-Tumor-Wirkstoff um. Dieser bringt die Krebszelle zum Platzen und tötet auch noch die umliegenden Tumorzellen ab, schrieb die ETH.

Weniger Nebenwirkungen

Anders als eine Chemotherapie, die ungezielt im ganzen Körper wirkt und deshalb starke Nebenwirkungen mit sich bringt, würde die Therapie auf Basis der Designer-Zellen sehr gezielt wirken, hieß es weiter. Anders als andere Immuntherapien arbeiten die künstlichen T-Zellen außerdem völlig unabhängig vom Immunsystem, so dass dieses voll funktionstüchtig bleibe und weniger Nebenwirkungen zu erwarten seien, so Fussenegger.

Der im Fachblatt "Nature Chemical Biology" vorgestellte Ansatz ist allerdings von einer Verwendung an Patienten noch ein gutes Stück entfernt: Noch sei nicht bekannt, ob und wie dieses System im Menschen funktioniere, hieß es in der Mitteilung.

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