Medizin & Biotech

Genaue Folgen der neuen Technologien noch nicht absehbar © APA (AFP/John MACDOUGALL)
Genaue Folgen der neuen Technologien noch nicht absehbar © APA (AFP/John MACDOUGALL)

APA

Genetische Eingriffe bei Krankheitsüberträgern: Symposium zu Folgen

08.01.2020

Mit neu entwickelten, gentechnischen Eingriffen könnte man vielleicht einzelne Krankheitserreger wie Malariamücken und Zecken ausrotten. Wie hoch der Nutzen tatsächlich wäre und welche Nebenwirkungen dies für die belebte Natur hätte, diskutieren Experten derzeit bei einem Symposium in Wien. Sie wollen auch klären, ob man neue Ethik-Regeln für solch potente Methoden braucht.

Die nobelpreisverdächtige Entwicklung der "Genschere" CRISPR/Cas9 durch Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna im Jahr 2012 machte solche Eingriffe möglich. Mithilfe einer als "Gene-Drive" bekannten Technik könnte man ein manipuliertes Gen rasch in einer ganzen Populationen verbreiten. Es ersetzt dabei mittels CRISPR/Cas9-System selbstständig die zweite Kopie auf dem Schwesternchromosom, bis nach einigen Generationen alle Nachkommen die veränderte Version geerbt haben.

Man könnte zum Beispiel Fruchtbarkeitsgene im Erbgut (Genom) der Überträger ausschalten. Dadurch gäbe es weniger Mücken, Zecken und Flöhe, und die Krankheiten würden nicht mehr so effektiv verbreitet. Außerdem wäre es möglich, neue Gene in ihren Populationen auszubreiten, die ihnen verunmöglichen, Malaria, Borreliose und andere Krankheiten übertragen, indem sie die Entwicklung der Krankheitserreger und nicht der Überträger stören.

Leidensdruck durch "Vektoren" übertragene Krankheiten groß

An beidem wird weltweit geforscht, denn der Leidensdruck durch von "Vektoren" wie Mücken, Zecken und Flöhen übertragenen Krankheiten ist groß. "17 Prozent der weltweiten Todesfälle werden durch Vektoren hervorgerufen, das sind mehr als 700.000 Todesfälle im Jahr", so die Medizinische Universität Wien, die das Symposium am ihrem UNESCO Lehrstuhl für Bioethik veranstaltet, in einer Aussendung. International sei die Malaria die folgenschwerste der durch Insekten hervorgerufenen Infektionen: Mehr als 400.000 Menschen sterben jährlich an ihr, die meisten davon sind Kinder unter fünf Jahren. In Österreich sind die häufigsten durch Vektoren übertragenen Erkrankungen Lyme-Borreliose und Zecken-Enzephalitis (Zecken-Hirnhautentzündung).

Die neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der Gentechnik wie besagte Genschere und die Gene-Drive-Methode geben Hoffnung auf eine effektive Bekämpfung der krankheitsübertragenden Insekten. "Doch die genauen Folgen der neuen Technologien im Zeitalter von zunehmenden Resistenzen gegen bewährte Therapien und Erderwärmung auf die Gesamtpopulation der Insekten und damit auf unser Ökosystem sind nicht absehbar", so Christiane Druml, Leiterin des UNESCO Lehrstuhls an der Meduni Wien.

Bei der ethischen Beurteilung der neuen Methoden könne man aber auf bewährte Methoden wie Kosten-Nutzen-Bewertungen zurückgreifen. Die neuen Werkzeuge funktionieren zwar effektiver als die alten, aber es hat auch in der Vergangenheit immer wieder neue Methoden gegeben, die beurteilt werden mussten, sagte Druml im Gespräch mit der APA. Der Idealfall wäre eine weltumspannende gesellschaftliche Debatte, wo alle möglichen Protagonisten eingebunden werden, erklärte sie.

Service: http://go.apa.at/cn98ebbU

STICHWÖRTER
Medizin  | Krankheiten  | Genetik  | Wien  | Wissenschaft  | Forschung  | Gesundheit  | Naturwissenschaften  | Biologie  | Gesellschaft  | Werte  | Ethik  | Therapien  | Behandlungen  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung