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Matzhold (r.) und Wagner von der Uni-Klinik für Blutgruppenserologie © APA (MED UNI GRAZ/M. WIESNER)
Matzhold (r.) und Wagner von der Uni-Klinik für Blutgruppenserologie © APA (MED UNI GRAZ/M. WIESNER)

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Grazer Forscher untersuchten Einfluss von Blutgruppen auf Coronavirus

15.10.2020

Menschen mit der Blutgruppe Null (O) sollen laut ersten Studien seltener am Coronavirus SARS-CoV-2 erkranken als Menschen mit den Blutgruppen A, B oder AB. Eine Studie an der Medizinischen Universität Graz bestätigt entsprechende chinesische und europäische Studien, teilte die Med-Uni Graz mit. Die Forscher an der Uniklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin wollen nun auch den Pathomechanismus hinter dem möglichen Zusammenhang erforschen.

Niedrigeres Erkrankungsrisiko mit Blutgruppe Null

Im Verlauf der Corona-Pandemie war chinesischen Forschern einerseits aufgefallen, dass überdurchschnittlich viele Covid-19-Patienten die Blutgruppe A hatten und andererseits die Blutgruppe Null eine gewisse Schutzwirkung zu haben scheint. Auch deutsche und norwegische Wissenschafter haben bereits im Sommer ihre Studie präsentiert, wonach Menschen mit der Blutgruppe A ein um etwa 50 Prozent höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 tragen als Träger anderer Blutgruppen. Menschen mit Typ-O-Blutgruppe waren laut der Studie um knapp 50 Prozent besser vor einer ernsten Covid-19-Erkrankung geschützt.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Grazer Forscher in ihrer Studie: "Unsere Studienergebnisse zeigen, dass Menschen mit der Blutgruppe Null eine statistisch signifikant geringere Wahrscheinlichkeit haben, an Covid-19 zu erkranken als Menschen mit anderen A-B-O Phänotypen", berichteten die Forscher der Med-Uni Graz. Hingegen wurde bei Infizierten und am Coronavirus erkrankten Patienten die Blutgruppe AB signifikant häufiger festgestellt, legten die Studienleiter dar. Die Studie wurde jüngst am Kongress der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin präsentiert, sagte die Grazer Molekularbiologin Eva Maria Matzhold gegenüber der APA. Für die nun vorliegenden Daten sucht sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Thomas Wagner in einer weiteren Untersuchung nach einer biologischen Begründung.

Die Grazer Analyse ist eine retrospektive Fall-Kontroll-Studie mit insgesamt 399 SARS-CoV-2 positiv getesteten Patientinnen und Patienten. "Es handelt sich um Spender aus der ersten Welle, die infolge einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus stationär behandelt wurden", führte Wagner aus. Als Vergleichskontrolle für die "normale" Blutgruppenverteilung in der Steiermark dienten Vollblutspenden des Blutspendedienstes des steirischen Roten Kreuzes.

Kein Einfluss auf Schweregrad der Erkrankung

Auf den Schweregrad der Covid-19-Erkrankung haben die Grazer Forscher allerdings keinen Einfluss im Zusammenhang mit der Blutgruppe erkannt. Das bedeutet, dass die Erkrankung bei Menschen mit Blutgruppe Null nicht leichter verläuft als bei Menschen mit Blutgruppe AB. Eine ABO-Blutgruppenbestimmung sollte daher aktuell nicht als prognostischer Marker für den Verlauf von Covid-19 herangezogen werden, hob Wagner hervor. "Personen mit Blutgruppe Null müssen sich trotzdem gleich schützen", wurde vom Grazer Transfusionsmediziner betont.

Blutgruppen werden aufgrund unterschiedlicher Oberflächenstrukturen der roten Blutkörperchen unterschieden: Verschiedene Kohlenhydrate (Zucker) und Eiweiße in der Membran der roten Blutkörperchen verleihen den Erythrozyten eine charakteristische Oberflächenstruktur. Sie werden auch Antigene genannt. Die "Blutgruppen-Kohlenhydrate" A und B sind ebenfalls solche Antigene. Im ABO-Blutgruppensystem unterscheidet man die Eigenschaft A, B, AB und O. Menschen mit der Blutgruppe O haben keines dieser genannten Blutgruppenantigene auf der Oberfläche ihrer Erythrozyten. Bei Blutgruppe A ist nur das Antigen A vorhanden, bei der Blutgruppe B nur das Antigen B. Neben dem ABO-System gibt es allerdings noch andere Blutgruppensysteme wie etwa Kell, Duffy, Kidd, Lewis und MNS.

Zucker-Strukturen, wie sie an der Zelloberfläche der roten Blutkörperchen, aber auch in Geweben der Atmungsorgane und des Gastrointestinaltraktes ausgeprägt sind, spielen nicht nur bei der Blutgruppen-Erkennung von Antikörpern, sondern auch bei der Erkennung von Mikroorganismen eine Rolle, erklärten die Grazer Forscher. "Pathogene, wie Bakterien oder Viren, können dabei selektiv an Blutgruppenstrukturen binden und die Besiedelung des betroffenen Gewebes oder die Aufnahme in die Zellen beeinflussen", schilderte Matzhold.

"Die Daten, die wir bisher haben, legen die Vermutung nahe, dass unterschiedliche Interaktionen des Virus mit Strukturen innerhalb des ABO-Blutgruppensystems stattfinden, die für den Prozess der Infektion eine Rolle spielen können", sagte die Grazer Wissenschafterin. "Hier wollen wir weiter hinter die Kulissen blicken und den Mechanismus im Hintergrund klären", kündigte Wagner ein weiteres Forschungsprojekt an. Besonderes Augenmerk will man nun auf die sogenannten Isoagglutinine - Antikörper, welche gegen Antigen-Merkmale des ABO-Blutgruppensystems gerichtet sind - legen, schilderten die beiden Grazer Forscher.

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