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Iris Gratz © Kolarik
Iris Gratz © Kolarik

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Helferzellen der Haut gehen auf Wanderschaft

05.07.2019

Die Salzburger Immunologin Iris Gratz hat gemeinsam mit dem US-Forscher Daniel Campbell bisher unbekannte Infektions-bekämpfende Helfer-Immunzellen im menschlichen Blut identifiziert, von denen bisher angenommen wurde, dass sie nur in der Haut vorkommen. Die Ergebnisse der beiden Arbeitsgruppen wurden heute Freitag, am 5. Juli 2019, in Science Immunology, einem Tochterjournal von Science, publiziert.

Die Wissenschaft ist bislang davon ausgegangen, dass T-Helferzellen der Haut nur in der Haut vorkommen, hier verbleiben und sich "ruhig" verhalten. Erst wenn die Haut verletzt wird und die Gefahr einer Infektion besteht, werden die T-Helfer-Zellen aktiviert. Immunologen der Universität Salzburg unter der Leitung der assoziierten Professorin Iris Gratz haben nun in Zusammenarbeit mit der von Professor Daniel Campbell geleiteten Forschungsgruppe am Benaroya Research Institut in Seattle (USA) entdeckt, dass eine geringe Menge dieser Haut-Helferzellen (unter 1%) auch im Blut zirkuliert und so ihre heilende Wirkung im gesamten menschlichen Körper verteilt. "Wir haben in unseren Studien nachweisen können, dass die Gedächtniszellen der Haut nicht immer an ihrem fixen Platz bleiben, sondern über das Blut auch zu anderen Hautregionen wandern können", betont Iris Gratz. Dort angekommen, können die Zellen dann Infektionen bekämpfen, aber auch die Wundheilung der Haut unterstützen, so Gratz.

Die Haut und andere sogenannte Barriere-Organe, die die Grenzflächen zur Außenwelt bilden, beheimaten spezielle langlebige Gedächtniszellen. Diese spezialisierten T-Zellen bilden eine Art Wachposten, die sehr schnell antworten, wenn ein Erreger in die Haut eindringt. "Aktiv sind diese Zellen vor allem dann, wenn die Haut so verletzt wird, dass Bakterien, Viren oder Pilze in die Haut gelangen", so Gratz. Ihre wichtigste Rolle besteht darin, an Ort und Stelle die Erreger zu eliminieren, um gefährliche Infektionen zu verhindern. Die Zellen können zusätzlich aber auch die Reparatur-Mechanismen der Haut unterstützen.

Die neue Entdeckung der Salzburger und amerikanischen Forscher ist für die Wissenschaft äußerst hilfreich, da nun Haut-T-Helferzellen anstatt aus der Haut wesentlich einfacher aus dem Blut gewonnen werden können. "Wir können diese Zellen jetzt aus dem Blut holen, studieren, charakterisieren und auch vermehren. Am Ende sollen sie über das Blut wieder in die Haut gelangen und dort ihre heilende Wirkung entfalten", so Gratz. Ziel der Wissenschaftler ist es also, die T-Helferzellen der Haut in der Wundheilung gezielt einzusetzen. Die Entdeckung der Wissenschaftsteams hat großes Potential die medizinische Forschung und Handhabe von T-Zellen der Haut zu verbessern und letztlich Wunden zu heilen. "Die Wissenschaft zielt immer mehr darauf ab, das menschliche Immunsystem zu nutzen, um die körpereigenen Heilungsfunktionen zu aktivieren. Personalisierte Medizin, d.h. speziell auf den jeweiligen Patienten abgestimmte Therapien, sind stark im Kommen. Wir haben einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht", betont Gratz.

Die Fachzeitschrift Science Immunology widmet der Arbeit die Titelseite, außerdem erscheint noch ein ergänzender Kommentar. Science Immunology: https://immunology.sciencemag.org/?_ga=2.2367728.1343846392.1562160691-1763350172.1562160691

Dr. Iris Gratz ist assoziierte Professorin am Fachbereich Biowissenschaften der Universität Salzburg. Im Frühjahr hat sie ihre Habilitation abgeschlossen. Sie widmete sich in ihrer Arbeit den regulatorischen T-Zellen. Die 42jährige gebürtige Oberösterreicherin gehört dem Schwerpunkt "Allergy-Cancer-BioNano Research Centre" der Universität Salzburg an.

Im März 2019 startete außerdem ein Exzellenzprogramm, das vom Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF) Sonderforschungsbereich (SFB) gefördert wird. Sieben Wiener Arbeitsgruppen und eine Salzburger, die wiederum von Iris Gratz geleitet wird, stehen hier im Verbund und gehen den verschiedenen Funktionslinien und Spezialisierungen der Helfer T-Zellen nach. Es geht dabei um epigenetische Enzyme und deren Rolle in der Regulation der Immunantwort. Dieses Projekt ist mit insgesamt 4,3 Mio Euro dotiert, 401.000 Euro davon gehen nach Salzburg.

Gratz studierte in Salzburg Biologie. Wie bereits in ihrer Diplomarbeit, beschäftigte sie sich auch in ihrer Dissertation, die sie ebenfalls an der Universität Salzburg verfasste, mit dem Immunsystem. Danach war Gratz im EB-Haus Austria an der Universitätsklinik für Dermatologie Salzburg in der Forschung für "Schmetterlingskinder" beschäftigt. Schon früh sammelte Gratz Auslandserfahrungen: Zunächst ging sie nach Irland und war dort in einem Industrieunternehmen beschäftigt.

Später erhielt sie ein Erwin Schrödinger Stipendium des FWF und verbrachte insgesamt fünf Jahre an der University of California, San Francisco, zwei davon als Assistent Adjunct Professor. Seit dem Jahr 2014 ist sie wieder an der Universität Salzburg tätig. "Einmal pro Woche arbeite ich im Krankenhaus", sagt Gratz. Die Verbindung der wissenschaftlichen Grundlagen-Forschung an der Universität und der Anwendungsorientierten Forschungsarbeit im Krankenhaus macht für sie das ideale Arbeitsumfeld aus.
Rückfragehinweis:
Assoz. Prof. Dr. Iris Gratz, PhD
Fachbereich Biowissenschaften der Universität Salzburg 
Tel: +43-662-8044-5764
iris.gratz@sbg.ac.at
www.uni-salzburg.at/gratz
Aussender:
HR Mag. Gabriele Pfeifer
Leitung Public Relations  und Kommunikation
Universität Salzburg
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Tel: 0043/(0)662-8044-2435
mobil: 0664-8482340
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