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Kooperationsmeldung

Herausforderungen für die Lebensmittelsicherheit in Österreich und Europa

04.11.2019

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit der AGES

"Antibiotika-Resistenzen, krankmachende Keime und neue Tier- und Pflanzenkrankheiten" nennen Experten der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA, des Sozialministeriums und der AGES bei einer gemeinsamen Pressekonferenz als "Top-Risiken für die Sicherheit von Lebensmitteln in Europa und weltweit". In Österreich stehen jedoch Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Lebensmitteln seit Jahren an der Spitze der Besorgnisskala der Bevölkerung, aber auch bei ÄrztInnen und JournalistInnen, wie aktuelle Umfragen der AGES zeigen. "Diese Wahrnehmung deckt sich nicht mit den Ergebnissen von tausenden Untersuchungen, die wir als AGES durchgeführt haben", sagt AGES-Geschäftsführer Thomas Kickinger. Auf der anderen Seite schenken Österreicherinnen und Österreicher dem Risiko von Krankheitserregern in Lebensmitteln wenig Beachtung, "obwohl es jedes Jahr tausende Erkrankungen und auch Todesfälle gibt. Die Beunruhigung der Menschen hat leider oft nichts mit einem tatsächlichem Risiko zu tun", so Kickinger. Die AGES habe daher heuer den Schwerpunkt "Sichere Lebensmittel" durchgeführt, um den Menschen ein realistisches Bild von diese vermeintlichen Gefahren, aber auch von realen Risiken zu bieten.

Neuartiges Risiko - große Besorgnis

Im Rahmen dieses Schwerpunkts wurde auch die Informationskampagne "So bleibt dein Lebensmittel sicher" vor allem über Social Media und die AGES-Website durchgeführt. Denn auch das hat die aktuelle Umfrage gezeigt: "Erstmals steht das Internet an erster Stelle als Informationsquelle bei Risikothemen, gefolgt vom Fernsehen und Zeitungen." Vor allem junge Frauen nutzen soziale Medien als Informationsquelle, ältere Menschen nutzen vermehrt Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften. "Grundsätzlich haben die Österreicherinnen und Österreicher Vertrauen in die Lebensmittelsicherheit", betonte Kickinger. Auf bisher Unbekanntes, wie zum Beispiel Mikroplastik in Lebensmitteln oder neue Lebensmitteltechnologien, reagieren sie aber mit großer Beunruhigung, "unabhängig davon, ob überhaupt ein Risiko besteht". Immerhin fühlen sich zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher nicht ausreichend zu Themen der Lebensmittelsicherheit informiert. "Das ist die große Herausforderung für Wissenschaft, Behörden und die AGES, verstärkt entsprechende und verständliche Informationen zur Verfügung stellen, dort, wo die Menschen sie suchen: also im Internet", so Kickinger.

"Seit der letzten EU-weiten Umfrage zu diesem Thema sind fast 10 Jahre vergangen. Die Gesellschaft hat sich in dieser Zeit sehr verändert, und auch die Art und Weise, wie wir Lebensmittel herstellen und konsumieren, hat sich geändert", betont Bernhard Url, Direktor der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA. In Bezug auf Lebensmittelsicherheit gibt es nicht "die eine Sorge", die in allen EU-Mitgliedstaaten überwiegt. Laut einer aktuellen EUROBAROMETER-Befragung werden drei Themen am häufigsten erwähnt: der Missbrauch von Antibiotika, Hormonen und Steroiden bei Nutztieren, Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Lebensmitteln sowie Lebensmittelzusatzstoffe. Die Europäer scheinen jedoch weniger als zuvor über Themen wie Gentechnik besorgt zu sein, während neue Themen wie Mikroplastik erstmals auf dem Lebensmittelsicherheits-Radar auftauchen. Insgesamt sei es "beruhigend zu sehen, dass die Europäer sich nicht übermäßig über die Lebensmittel auf ihren Tellern sorgen. Das ist kein Zufall, sondern das Verdienst von Fortschritten in Wissenschaft und Technik, die dazu beitragen, die Lebensmittelstandards und Hygienemaßnahmen zu verbessern", so EFSA-Direktor Url.

Lebensmittelsicherheit - nur international vernetzt

Der EFSA-Direktor nennt Antibiotika-Resistenzen, lebensmittelbedingte Krankheiten und klimawandel-bedingte Risiken wie Mykotoxine (Schimmelpilzgifte) als große Herausforderungen für die Sicherheit von Lebensmitteln in Europa und weltweit. "Wir können das Vertrauen der Europäer in ihre Lebensmittel weiter stärken, indem wir noch besser auf ihre Bedenken eingehen und mehr Möglichkeiten für Dialog bieten, damit sie den Beitrag der Wissenschaft zum EU-System besser verstehen", so Url. Die Tatsache, dass "großes Vertrauen in Wissenschafter" gesetzt werde, sei für ihn jedenfalls ermutigend.

"Veränderte Marktrealitäten einer globalen Lebensmittelkette sowie der vermehrte internationale und nationale Tierverkehr, Lebensmittel-Betrugsfälle der vergangenen Jahre oder auch der zunehmende Handel von Produkten im Internet erfordern national bzw. europäisch koordinierte Antworten", so Ulrich Herzog, Leiter der Lebensmittelsicherheit und des Veterinärwesens im Sozialministerium. Die Abklärung von lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen, wie sie in Österreich erfolgt, sei jedenfalls "ein best practice Beispiel in der Europäischen Union". Durch die Vernetzung der fachlichen Kompetenzen innerhalb der AGES und eine stringente Zusammenarbeit der österreichischen Behörden konnten in den letzten Jahren wiederholt Ausbrüche rasch aufgeklärt und somit weitere Erkrankungen verhindert werden.

Handlungsbedarf sieht Herzog vor allem bei der Transparenz der Risikokommunikation: "Die Anforderungen der Gesellschaft an eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion mit besonderen Anforderungen an den Tierschutz, den Pflanzenschutzmittel- oder Antibiotika-Einsatz sowie Trends zur Bekämpfung von Food-Waste oder neue Informationsanforderungen an Lebensmittel müssen sich auch in der Struktur der Kontrolle entlang der Lebensmittelkette widerspiegeln", betonte Herzog. Das bedürfe vor allem auch einer verstärkten Beteiligung von Interessengruppen in die Planungstätigkeiten der Kontrollbehörden. "Die Beteiligung von NGOs, Wissenschaft und Wirtschaftsbeteiligten ist zu verstärken. Diese Form eines Partizipationsprozesses ist ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Risikokommunikation im weiten Feld der Lebensmittelsicherheit."

Die Lebensmittelsicherheitsexperten der EFSA, des Sozialministeriums und der AGES sind derzeit intensiv mit der Umsetzung eines umfassenden Lebensmittelsicherheitspakets befasst: "Smarter rules for safer food" lautet das Motto der Europäischen Kommission für ein Bündel an Maßnahmen zur Verbesserung der Durchsetzung der Gesundheits- und Sicherheitsstandards entlang der Lebensmittelkette. Mit diesem Regulierungspaket werden Kontrollvorschriften für alle Segmente der Lebensmittelkette von Pflanzengesundheit, Pflanzenschutz, Futtermittelsicherheit, Tierschutz, Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit vereinheitlicht. Die EU-Verordnungen sind ab Dezember 2019 auch national anzuwenden.

Risikobarometer Umwelt & Gesundheit 2019

In Ergänzung zum jährlich erhobenen "Risikobarometer Umwelt & Gesundheit", einer Befragung der Bevölkerung gemeinsam mit dem Umweltbundesamt, hat die AGES erstmals praktische ÄrztInnen und JournalistInnen nach ihrer Einschätzung in Bezug auf die Lebensmittelsicherheit befragt. ÄrztInnen bereitet demnach Mikroplastik in Lebensmitteln die meisten Sorgen, während JournalistInnen hormonähnliche Stoffe als größte Risiken wahrnehmen. Die österreichische Bevölkerung schätzt Mikroplastik als größtes Risiko ein, gefolgt von "Täuschung durch unrichtige Information" sowie "Antibiotikarückstände in Lebensmitteln" und "Auswirkungen von Chemikalien und Schadstoffen".

"APA Science"-Interview "Lebensmittelsicherheit: Ärzte haben andere 'Sorgen' als Journalisten": https://tinyurl.com/yxqz9nfq

Rückfragehinweis:

AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Fachbereich Risikokommunikation
+43 (0)50 555-25000
presse@ages.at
https://www.ages.at
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