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Möglichkeit für gezielte Therapie eröffnet © APA (Fohringer)
Möglichkeit für gezielte Therapie eröffnet © APA (Fohringer)

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Hoffnung gegen bisher oft unheilbare Leukämie bei Kindern

25.11.2019

Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist in der Schweiz die häufigste Krebsart bei Kindern. Oft helfen weder Chemotherapie noch Stammzelltransplantation. Nun stellen Forscher der Universität und des Universitätsspitals Zürich einen vielversprechenden Therapieansatz vor: Sie konnten eine Kernkomponente hinter dem Blutkrebs identifizieren und mit einem Wirkstoff ausschalten.

Bei Versuchen mit Mäusen zeigte sich der Ansatz erfolgreich, wie die Uni Zürich mitteilte. Bei ALL gerät die normale Steuerung der Blutbildung durcheinander. Statt der gesunden weißen Blutkörperchen entstehen entartete Vorläuferzellen. Schuld ist eine abnormale Verschmelzung zweier Gene. Sie bilden den Bauplan für ein Protein namens TCF3-HLF: einen Gen-Schalter, den es eigentlich nicht geben sollte. Es enthält Teile, die das Ablesen von Genen aktivieren können. Aber es fehlt die korrekte Steuerung.

Das Team um Jean-Pierre Bourquin und Beat Bornhauser von Universität und Universitätsspital Zürich berichtet, dass TCF3-HLF Hunderte von Genen fälschlicherweise aktiviert - im falschen Kontext und zum falschen Zeitpunkt während der Blutentwicklung. Dadurch gerät die Blutbildung aus den Fugen.

Elf essenzielle "Begleiter" identifiziert

Allerdings agiert der abnorme Gen-Schalter nicht allein, sondert sammelte noch über hundert weitere Proteine um sich herum. Das Team um Bourquin und Bornhauser analysierte mithilfe den Genschere Crispr/Cas9 die Funktionen all dieser Begleiter und konnte elf davon als für die Entwicklung der Leukämie essenziell identifizieren.

Eines davon, ein Protein namens EP300, verstärkt zusätzlich die Aktivierung von Genen. Dieses Protein wählten die Forschenden für eine gezielte Therapie im Versuch mit Mäusen, die menschliche Leukämiezellen trugen: Mit einer neuartigen Substanz namens A-485, die die Aktivität von EP300 bremst, konnten die Wissenschafter die Leukämiezellen in den Mäusen abtöten.

"Es ist also im Prinzip möglich, die fundamental treibende Kraft dieser Leukämie direkt auszuschalten und somit eine gezielte Therapie zu entwickeln", sagte Bourquin. Allerdings reicht dieser Ansatz noch nicht: Es gelte, das fehlgeleitete Blutbildungs-Programm vollständiger zu charakterisieren, um die bestmögliche Kombination solcher Angriffsmöglichkeiten zu identifizieren. Da auch andere Leukämien auf ähnlichen Mechanismen beruhen, ließe sich womöglich ein gemeinsamer Nenner entdecken, um neue Therapien gegen Blutkrebs zu entwickeln.

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