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Bei Masern wird eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent benötigt © APA (dpa)
Bei Masern wird eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent benötigt © APA (dpa)

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Impftag 2020: Durchimpfungsrate in Österreich muss verbessert werden

11.12.2019

Die Themen Impfpflicht, neue Kommunikationsstrategien und das Impfen in Ausnahmesituationen stehen im Fokus des Österreichischen Impftags, der am 18. Jänner 2020 stattfinden wird. Ziel ist die deutliche Hebung der Durchimpfungsrate. "Die Einführung einer Impfpflicht reicht nicht, sie ist mit Maßnahmen verbunden", sagte Ursula Wiedermann-Schmidt (MedUni Wien) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Es müsse Geld in die Hand genommen werden, um die Bevölkerung aufzuklären, betonte die wissenschaftliche Leiterin des Impftags. Bei Masern werde eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent benötigt, um die Krankheit zu eliminieren. In Österreich sinke bei der zweiten notwendigen Masernimpfung bei den kleinen Kindern die Rate aber auf etwa 81 Prozent. Die Krankheit werde so am Leben erhalten, der Herdenschutz funktioniere nicht.

In Deutschland tritt ab kommendem Jahr eine Impfpflicht in Kraft. Eltern müssen dann vor der Aufnahme in Gemeinschaftseinrichtungen nachweisen, dass ihre Kinder (ab dem Alter von einem Jahr) geimpft sind. Greifen soll im Nachbarland die Impfpflicht auch bei Gesundheitspersonal, das eine zentrale Vorbildrolle spiele, wie Wiedermann-Schmidt hervorhob. Die bisher empfohlenen Impfungen sollten bei den "health care workers" auch in Österreich gesetzlich verpflichtend werden, eine entsprechende Stellungnahme des Obersten Sanitätsrats soll der künftigen Regierung vorgelegt werden.

Influenza wird unterschätzt

Besonders gering sei die Durchimpfungsrate bei der Influenza. Hier liege sie bei unter zehn Prozent, 40 Prozent müssten jedoch immunisiert sein, damit die Verbreitung der Virusinfektion gehemmt wird. Influenza werde unterschätzt, warnte Wiedermann, gebe es doch jährlich rund 2.000 damit assoziierte Todesfälle. Die Verfolgung solcher Fälle soll nun mit von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) aufgezeichneten Daten verbessert werden, die bald zur Verfügung stehen sollen, so Wiedermann-Schmidt.

Auch die Ärztekammer tritt für ein "umfassendes Maßnahmenpaket" zur Steigerung der Durchimpfungsrate ein. Dazu zählt eine Verpflichtung der im Gratisimpfkonzept verankerten Impfungen, erläuterte Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferates der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Zwar appelliere man an die ethische Verantwortung der Bevölkerung - Impfen bedeute nicht nur Eigen- sondern auch Umgebungsschutz -, doch brauche es regulatorische Eingriffe. Viele würden sich darauf verlassen, dass die anderen geimpft sind.

"Wir müssen impfskeptische Eltern darauf aufmerksam machen, dass Kinder ein Grundrecht auf Impfungen haben. Nichtimpfen muss unbequem werden", sagte Schmitzberger. Es müsse "negative incentives" geben: "Wir können uns eine Koppelung an den Mutter-Kind-Pass vorstellen, mit einer Reduktion des Kinderbetreuungsgeldes um 50 Prozent, wenn kein Nachweis der Impfungen des Gratisimpfkonzepts erbracht wird." Wichtig sei zudem, dass alle Ärzte jeden impfen dürfen.

Gezielte Beratung für Impfskeptiker

Positiv steht einer Impfpflicht mit entsprechender Aufklärung auch die Apothekerkammer gegenüber. Die ein bis drei Prozent Impfgegner werde man wohl nicht erreichen können, "aber die 20 bis 30 Prozent Impfskeptiker können wir durch gezielte Beratung und Beantwortung ihrer Fragen motivieren, sich doch impfen zu lassen", ist Präsidiumsmitglied Gerhard Kobinger überzeugt.

In Kindergärten und Schulen wollen die Experten auch auf verstärkte Information setzen. Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung sei schlecht, kritisierte Wiedermann-Schmidt. "Wir kennen die Problemzonen." Schulimpfungen in Österreich seien insofern ein Problem, da die Impfempfehlungen nicht eingehalten werden. Auch bei Keuchhusten (Pertussis) gebe es einen Anstieg der Fallzahlen bei Kleinkindern und Fünf- bis Neunjährigen mit etwa 2.000 Fällen jährlich. "Einen Peak gibt es auch bei den Über-30-Jährigen, die auf die Auffrischung vergessen. Da erwarte ich mir vom E-Impfpass ein Recall-System, das die Leute daran erinnert", führte Wiedermann-Schmidt aus. Der elektronische Impfpass soll im kommenden Frühling zunächst in Form eines Pilotprojekts ausgerollt werden.

Service: Österreichischer Impftag 2020 am 18. Jänner, von 8.00 bis 17.00 Uhr im Austria Center Vienna; www.impftag.at

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