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IMP-Forscher Zuber freut sich für Kaelin © APA/OTS (IMP/C.Fischer)
IMP-Forscher Zuber freut sich für Kaelin © APA/OTS (IMP/C.Fischer)

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Medizin-Nobelpreis - Wiener IMP-Forscher: "Wahnsinn!"

07.10.2019

"Wahnsinn! Diese Nobelpreise sind allerhöchst verdient!" - So reagierte Johannes Zuber, Gruppenleiter am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien, auf die Bekanntgabe der diesjährigen Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin, William G. Kaelin Jr, Sir Peter J. Ratcliffe und Gregg L. Semenza.

"Kaelin ist der 'Übervater' meines Feldes", fügte Zuber hinzu. Der Wissenschafter kam übrigens vor zwei Jahren auf Einladung Zubers für einen Vortrag an das IMP. "Die Zuerkennung des Nobelpreises ist die Würdigung des Verständnisses, wie rote Blutkörperchen in Abhängigkeit vom Sauerstoffangebot gebildet werden, wie Zellen auf Sauerstoffmangel reagieren und bei Bedarf das blutbildende Hormon produziert wird", erklärte Zuber.

Der US-Wissenschafter hätte mit seinen Forschungen wesentliche neue Erkenntnisse in der Krebsforschung gemacht. Bei bestimmten Nierenzellkarzinomen beispielsweise kommt es - ebenso wie bei der Hippel-Landau-Erkrankung - zu einem Funktionsverlust des VHL-Gens, was zu einer abnorm gesteigerten Aktivierung von Genen führt, welche für die Reaktion auf Sauerstoffmangel (Hypoxie) entscheidend sind. Bei Tumorerkrankungen führt eine solche Hypoxie zur vermehrten Bildung von Blutgefäßen und im Endeffekt zu einem verstärkten Zellwachstum.

Begründer der "Synthetischen Letalität"

Kaelin ist mit seinen Forschungen auch der Begründer des Prinzips der "Synthetischen Letalität", auf dem Zuber mit seiner Forschungsgruppe arbeiten. Der Begriff beschreibt einen Zusammenhang zwischen zwei Genen, bei denen der Verlust eines von ihnen keine signifikante Auswirkung auf die Vitalität von Zellen hat. Aber der Verlust beider Gene führt zum Absterben (durch programmierten Zelltod; Anm.). Dieses Konzept formulierte Kaelin am Beispiel von Nierenzellkrebs: Dabei geht häufig das VHL-Gen verloren. Damit werden die Krebszellen aber vom Funktionieren des Sauerstoffmangel-Faktors HIF in ihrem Überleben abhängig. Kann man diesen hemmen, könnte das ein entscheidendes Therapieprinzip darstellen. "HIF-Inhibitoren werden gerade getestet", erklärte der Wiener Wissenschafter.

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