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Warum tun Wirkstoffe manchmal das Gegenteil des Erwünschten? © APA (dpa)
Warum tun Wirkstoffe manchmal das Gegenteil des Erwünschten? © APA (dpa)

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Medizinische Hemmstoffe können bei zu geringer Dosis aktivieren

07.01.2020

Manchmal aktivieren medizinische Hemmstoffe in ganz geringer Dosis ihr Angriffsziel, statt es ruhigzustellen. Dann docken sie nur an einer von mehreren Zielstellen an, was die restlichen stimuliert, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal "Pnas". Das passiert nicht nur, wenn man zu wenig Medizin schluckt, sondern auch, wenn sie schlecht im Körper verteilt wird.

Ein Team um Michael Ehrmann von der Universität Duisburg-Essen (Deutschland) ergründete, warum pharmazeutische Wirkstoffe manchmal das Gegenteil des Erwünschten tun. Das geschieht, wenn ein Hemmstoff an mehreren Stellen am Angriffsziel andocken muss, um es komplett zu blockieren, die Dosis dafür aber zu gering ist. Dann kann das Andocken an einer Stelle strukturelle Änderungen am Zielstoff hervorrufen und die leer gebliebenen Andockstellen überaktiv machen. In Summe wäre das Angriffsziel dann oft aktiver als ohne Hemmstoff.

Diesen Effekt sollte man bei der Entwicklung von Medikamenten berücksichtigen, meinen die Forscher, zu denen auch Tim Clausen vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien gehört. Wenn etwa Hemmstoffe im Körper der Patienten ungleich verteilt werden, weil sie schlecht ins Gewebe eindringen, würden sie nur dort helfen, wo sie gut hinkommen, an anderen Stellen aber den gegenteiligen Effekt bewirken, schrieben sie in dem Fachartikel.

Service: http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1918721117

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