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Konzept eines sogenannten dualen Degraders © Ingeborg Menzl/Vemteduni Vienna
Konzept eines sogenannten dualen Degraders © Ingeborg Menzl/Vemteduni Vienna

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Mögliche neue Wirkstoffklasse zur Behandlung von Leukämieform

30.10.2019

Einen möglichen neuen Weg in der Behandlung von Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL) hat ein internationales Wissenschafterteam mit Experten der Vetmeduni Wien identifiziert und an Mäusen erprobt. Ein neuer Wirkstoff hemmt einerseits die Übertragung von Signalen über den sogenannten mTOR-Mechanismus der bösartigen Zellen, gleichzeitig wird das Zellwachstums-Steuerungsenzym CDK8 der Zellen abgebaut.

Eine Studie zu dem Thema ist laut einer Aussendung der Universität vor kurzem in "Nature Communications" erschienen. Ein Forschungsteam der Vetmeduni Vienna sei bei der Suche nach neuen Therapiewegen für die Akute lymphatische Leukämie (ALL) auf das Enzym Cyclin-abhängige Kinase 8 (CDK8) gestoßen. Besonders bedeutsam ist, dass gesunde Blutzellen nicht von der Funktion von CDK8 abhängig sind. Dies gilt offenbar aber nicht für bösartige Zellen. Cyclin-abhängige Kinasen, welche das Zellwachstum kontrollieren, stehen derzeit im Mittelpunkt der Entwicklung potenziell neuer Krebsmedikamente.

Ingeborg Menzl vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Vetmeduni Vienna konnte mit ihren Co-Autoren an einem Mausmodell für die ALL zeigen, dass Leukämiezellen mit fehlendem CDK8 vermehrt absterben. "Bemerkenswerterweise ist die Funktion von CDK8 bei ALL unabhängig von der enzymatischen Aktivität. Das bedeutet, dass herkömmliche Kinaseinhibitoren unwirksam sind", wurde Menzl zitiert. Basierend auf diesem Befund entdeckten die Wissenschafter eine bisher unbekannte Interaktion zwischen CDK8 und dem mTOR-Signalweg in Krebszellen.

In einem weiteren Schritt setzten die Forscher in Zusammenarbeit mit einem Forschungsteam um Nathanael Gray von der Harvard Medical School (USA) eine neue Generation von Arzneimitteln ein, welche die enzymatische Aktivität nicht blockieren, sondern den Abbau von Proteinen induzieren (sogenannte PROTACs). Veronika Sexl, Leiterin des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Vetmeduni Vienna, erklärte dazu: "Durch die Verwendung eines neu synthetisierten PROTACs - ein kleines Molekül, das wir YKL-06-101 genannt haben -, wird die mTOR-Signalübertragung blockiert und gleichzeitig der Abbau von CDK8 angestoßen. Dies stellt eine neue therapeutische Linie in der Arzneimittelentwicklung dar: Ein einziges Arzneimittel reicht aus, um ein Molekül - CDK8 - abzubauen und gleichzeitig einen Signalweg enzymatisch zu blockieren." Dies könnte für eine bessere Wirkung der Substanz sprechen.

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