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Neue Arzneimittel verbessern Prognose bei Eierstockkrebs

08.01.2020

Neben dem bei beiden Geschlechtern vorkommenden Pankreaskarzinom gehört das Ovarialkarzinom zu den gefährlichsten Krebserkrankungen. In Österreich wurde diese Diagnose 2016 bei 650 Frauen gestellt. Es gab 519 Todesopfer. Neue medikamentöse Therapien dürften Verbesserungen bringen. Dies belegen drei neue Studien mit PARP-Inhibitoren im "New England Journal of Medicine" (NEJM).

Das Problem liegt in der zumeist späten Diagnose von Eierstockkrebs im somit fortgeschrittenen Stadium. Operationen, um die Tumorlast zu verringern, sowie eine Chemotherapie vor allem mit Substanzen wie Carboplatin stellten die erste Therapiestufe dar. Immer früher dürften in Zukunft aber auch noch zusätzliche Medikamente zum Einsatz kommen.

Eine internationale Wissenschaftergruppe unter Antonio Gonzalez-Martin (Universitätsklinik Navarra/Spanien) veröffentlichte am 19. Dezember im NEJM eine Studie, in welcher der sogenannte PARP-Inhibitor Niraparib sofort bei 733 Patientinnen mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenen Ovarialkarzinom und einem Ansprechen auf eine Platin-hältige erste Chemotherapie angewendet wurden. In einem zweijährigen Untersuchungsintervall ließ sich durch das Hinzufügen einer Behandlung mit Niraparib im Vergleich zu einem Placebo die Gesamtüberlebensrate von 77 Prozent auf 84 Prozent erhöhen. Das entsprach einer Reduktion um 30 Prozent. Bei jenen knapp 61 Prozent der Patientinnen, welche das Tumor-Merkmal einer eingeschränkten Fähigkeit zur Synthese identer DNA-Strangteile besaßen, zeigte sich unter der Behandlung mit dem neuen Medikament eine Verlängerung der Überlebenszeit ohne Fortschreiten der Erkrankung auf etwa das Doppelte (von im Mittel 10,4 auf 21,9 Monate).

Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung verringert

In der gleichen NEJM-Ausgabe wurden die Ergebnisse einer ähnlichen international abgelaufenen Untersuchung bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom nach einer Chemotherapie (Carboplatin plus einem Taxan) und dem Angiogenese-Hemmer Bevacizumab plus oder minus dem PARP-Inhibitor Olaparib publiziert. Hier zeigte sich bei 806 Patientinnen unter der zusätzlichen Anwendung von Olaparib eine Steigerung des progressionsfreien Überlebens im Mittel von 16,6 auf 22,1 Monate. Nach einem mittleren Beobachtungszeitraum von 22,9 Monaten hatte sich damit das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod bei Frauen mit Tumoren mit besonders guter Ansprechrate um zwei Drittel verringert. An der Untersuchung haben auch Experten der österreichischen Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) der Wiener und der Innsbrucker Universitätsklinik als Co-Autoren mitgearbeitet.

PARP-Inhibitoren sind eine relativ neue Klasse von gegen Krebs wirksamen Arzneimitteln. Sie blockieren auf der DNA von Tumoren das PARP-Polymerase-Enzym, das für die Reparatur von DNA-Schäden notwendig ist. Damit ergänzen sie auch die Wirkung herkömmlicher Zytostatika, welche ihre Wirksamkeit durch das Verursachen von DNA-Defekten in den Tumorzellen entfalten.

Möglichst früh setzten auch Robert Coleman (M.D. Anderson Cancer Center in Houston/Texas) und seine Co-Autoren bei Patientinnen mit Eierstockkrebs im Stadium IV ein. Insgesamt wurden 1.140 Frauen mit Ovarialkarzinom aufgenommen. Ein Drittel erhielt eine Chemotherapie (Carboplatin und ein Taxan) allein, ein Drittel bekam die Chemotherapie plus den PARP-Inhibitor Veliparib als Ersttherapie, anschließend für Veliparib ein Placebo in der Erhaltungsphase. Die dritte Gruppe erhielt die Chemotherapie plus Veliparib ebenso gleich nach der Diagnose und danach weiter, um die Wirkung aufrechtzuerhalten. Im Mittel erhöhte sich bei den mit Veliparib behandelten Patientinnen das Intervall ohne Fortschreiten der Erkrankung oder Ableben von 17,3 auf 23,5 Monate. Dieser Wert stieg bei Patientinnen mit Mutationen im "Brustkrebsgen" BRCA sogar von 22 auf 34,7 Monate, wenn die Frauen von Anfang an und anhaltend mit dem PARP-inhibitor behandelt wurden.

Alle drei Studiengruppen kamen zur Schlussfolgerung, dass die PARP-Inhibitoren zusätzlich bessere Behandlungsergebnisse zur herkömmlichen Chemotherapie beim Ovarialkarzinom bringen. Allerdings zeigten sich teilweise auch mehr Nebenwirkungen, was das Blutbild der Behandelten betraf.

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