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Nurse erhielt 2001 den Medizin-Nobelpreis © APA (AFP)
Nurse erhielt 2001 den Medizin-Nobelpreis © APA (AFP)

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Paul Nurse: "Ewiges Leben bleibt ein Hirngespinst"

12.04.2018

Trotz enormer Fortschritte in der Genetik und einer deutlich gestiegenen Lebenserwartung bleibt die Vorstellung, der Mensch könne ewig leben, "ein Hirngespinst". Das erklärte der britische Zellforscher und Nobelpreisträger Paul Nurse, der kürzlich an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien einen Vortrag hielt, im Interview mit der "Wiener Zeitung" (12. April).

Den derzeit vor allem im Silicon Valley kursierenden Vorstellungen, den Tod zu besiegen, erteilt Nurse eine klare Absage: "Ich rechne nicht damit, dass der Mensch jemals das ewige Leben erreichen wird. Zwar kann ich mir vorstellen, dass der Großteil der Menschen schon innerhalb des nächsten Jahrhunderts 100 Jahre alt werden könnte, aber viel mehr wird es wohl nicht werden." Der britische Genetiker und Biochemiker erhielt 2001 den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung von Schlüsselregulatoren der Zellteilung und -reifung, ohne die kein Leben möglich wäre.

Die entscheidende Frage dabei sei, ob sich unsere Zellen bis in alle Ewigkeit korrekt teilen und im Gewebe zusammenarbeiten können. "Ich sehe nicht, dass wir jemals den Gesamt-Verschleiß aus 50, 60 oder 70 Lebensjahren zurückdrehen werden können. Die Existenz nützt sich ab und die Konsequenz ist, dass wir nicht ewig leben", sagte Nurse der "Wiener Zeitung". Ewiges Leben wäre auch nicht sinnvoll, denn es hätte ernsthafte Konsequenzen, wenn die Bevölkerung nicht durch Nachwuchs ersetzt würde: "Die Perspektive Tod mag uns zwar nicht glücklich machen, aber er ist vermutlich die beste Lösung für die Menschheit."

Skeptisch zeigt sich der Gründungsdirektor des Francis Crick Institute, des größten biotechnischen Forschungszentrums Europas, auch darüber, was die Heilungschancen für Krebs betrifft: "Krebs ist keine bakterielle Infektion, die mit Penicillin beseitigt werden kann, sondern er besteht aus 200, 300 oder sogar 400 verschiedenen Krankheiten, die wir nicht alle mit dem gleichen Mittel heilen können. Wir suchen ständig neue Puzzlesteine." Ähnliches gelte für Alzheimer, dessen Ursache man noch gar nicht kenne. Die Ursachenforschung werde Zeit und Können benötigen, "aber niemand wird die Lösung schon nächstes Jahr herbeizaubern".

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