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Erste Auswertungen zeigen Verbesserung bei 40 Prozent der Behandelten © APA (Hochmuth)
Erste Auswertungen zeigen Verbesserung bei 40 Prozent der Behandelten © APA (Hochmuth)

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Praevenire-Gesundheitstage: Kosten-Nutzen-Analyse zu Krebstherapien

14.10.2020

Eine Studie der Arbeitsgemeinschaft Medikamentöse Tumortherapie mit Next Generation Erbsubstanz-Sequenzierung (NGS) bei Tumorpatienten in Kooperation mit dem Institut für Höhere Studien (IHS) soll erstmals in Österreich Aussagen über Wirkungsgrad und Kostenfaktoren der personalisierten Präzisionsmedizin in der Onkologie liefern. Das Projekt wurde kürzlich bei den Praevenire-Gesundheitstagen in Seitenstetten vorgestellt.

"Die Präzisionsmedizin ist insgesamt ein erfolgreicher Prozess", sagte der Salzburger Onkologe Richard Greil in einem Online-Statement. In dem NGS-Register würden alle Mutationen (in Tumorgewebe; Anm.) nachgewiesen, die durch präzise wirkende Arzneimittel gut angreifbar seien. Das könnte vor allem für die rund 20 Prozent der Patienten mit sehr seltenen Krebsleiden, für die es keine etablierte Therapie gibt, und für mit herkömmlichen Modalitäten "austherapierten" Kranken eine neue Hoffnung bedeuten.

"Wir haben bereits zwischen 600 und 700 Patienten erfasst. Kann man durch die Präzisionsmedizin eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (Zeit bis zum Fortschreiten; Anm.) im Vergleich mit den bereits erfolgten Therapien um mehr als 30 Prozent erhöhen, gilt das als Erfolg", sagte Greil. Erste Auswertungen zeigen offenbar, dass bis zu 40 Prozent der auf diese Weise Behandelten eine Verbesserung zeigen.

Genaue Wirksamkeits- und Kostenanalyse

Der zweite Teil des Projekts wird eine genaue Wirksamkeits- und Kostenanalyse durch den IHS-Gesundheitsökonomen Thomas Czypionka sein. Was sich bisher gezeigt hat: Einzelne Patienten haben mit den innovativen Therapien auf Basis der Tumor-Genom-Sequenzierung eine drei- bis viermal längeres progressionsfreies Überleben im Vergleich zu den zuvor erfolgten herkömmlichen Therapieschienen.

Die reinen Arzneimittelkosten sind zwar in der Präzisionsmedizin offenbar höher, doch die Endabrechnung wird erst möglich sein, wenn man auch Spitalskosten, sonstige medizinische und Pflegeaufwendungen etc. einrechnen kann. Das ist - wie Czypionka erklärte - besonders deshalb schwierig, weil eben Spitals-, Ambulanz- und Kosten in der niedergelassenen Versorgung in Österreich schwer zu integrieren sind.

Präzisions- oder personalisierte Medizin ist jedenfalls die Zukunft. "Die personalisierte Medizin muss ein zentrales Thema in der Gesundheit werden", sagte Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog. Dies müsse auch für die Gesundheitspolitik gelten.

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