Medizin & Biotech

APA

Projekt soll Prostatakrebs-Betroffenen Gehör in Medizin verschaffen

28.05.2020

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart beim Mann, in Österreich gibt es jährlich rund 5.700 Neuerkrankungen und mehr als 1.200 Todesfälle. Das Ludwig Boltzmann Institut will nun Betroffenen mit einem Forschungsprojekt mehr Gehör verschaffen. Patienten und Angehörige werden "auf Augenhöhe" eingebunden, betonte Projektleiter Markus Mitterhauser bei einer Online-Pressekonferenz.

Bei personalisierter Medizin stehe trotz der Bezeichnung die Person oft nicht im Vordergrund, sagte Mitterhauser, Leiter des Ludwig Boltzmann Institute Applied Diagnostics (LBI:AD). Hinter dem Tumor und den Biomarkern stehe "ein Mensch mit Bedürfnissen. Diese Menschen wollen wir einbinden", erläuterte er. "Wir machen Wissenschaft gemeinsam mit den betroffenen Personen." Es gehe darum, "voneinander zu lernen", führte Mitterhauser aus.

Betroffene seien Experten, die jede Menge Lösungen hätten, ihre Erfahrungen aber bisher nur unter Freunden geteilt haben. Diese Informationen sollen mit dem Projekt für die Allgemeinheit verfügbar gemacht werden. Außerdem könnten Fragen geklärt werden, wie ob es für die Patienten wichtiger ist, vom Arzt über Überlebensraten und durchschnittliche Zeitabstände bis zu einem Rückfall, oder lieber über die künftige Lebensqualität mit der Erkrankung aufgeklärt zu werden.

Teilnehmer gesucht

Das Projekt "Patient Involvement in Oncology" (PATIO) steht noch am Anfang und soll bis September laufen. Für den Start werden Teilnehmer gesucht, um ein Kommunikationswerkzeug zu erschaffen. "Ziel ist es, insgesamt zehn Betroffene zu finden, die mitmachen wollen", sagte Mitterhauser. Diese sollen als sogenannte Co-Creator wissenschaftlich mitarbeiten. "Die Arbeit ist uns auch etwas wert", jeder bekomme ein Honorar, erläuterte der Projektleiter. Auch Angehörige von Erkrankten oder nicht mehr in Behandlung befindliche Prostatakrebspatienten sind willkommen.

Vier der zehn Personen wurden bereits ausgewählt, einer von ihnen ist Ekkehard Büchler, Obmann der Selbsthilfe Prostatakrebs. Bei ihm sei 1993 im Alter von 52 Jahren ein Prostatakarzinom diagnostiziert worden, berichtete er. Durch Nebenwirkungen werde er noch täglich an den Krebs erinnert und habe einen "immensen Erfahrungsschatz" zu der Erkrankung angesammelt. "Bisher konnten wir unser Wissen nicht weitergeben", nun fühle er sich ernst genommen wie noch nie. Es sei wichtig, dass man das Thema in die Öffentlichkeit bringt, selbst in der Familie sei es oft schwierig, mit jemandem darüber zu sprechen.

Auch die Partnerin eines mittlerweile verstorbenen Prostatakrebspatienten ist bereits mit an Bord. "Wir wollen Diversität im Team", erläuterte Marie Niederleithinger, Biochemikerin und Wissenschaftskommunikatorin am LBI:AD. Die Frau sei eine "Mitbetroffene, sie hat somit Wissen zum Leben mit Prostatakrebs. Sie hat Wissen, das wir nicht haben", sagte die Forscherin. Das Projekt wird von einer Sprachwissenschafterin begleitet. Sie habe eine vermittelnde Rolle zwischen Betroffenen, Medizinern und Wissenschaft, betonte Amelie Dorn von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Außerdem sollen Sprachbarrieren zwischen Patient und Arzt beidseitig aufgezeigt und beseitigt werden.

Service: Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeit: https://www.applied-diagnostics.at/patio/

STICHWÖRTER
Medizin  | Krebs  | Behandlungen  | Österreich  | Österreichweit  | Wissenschaft  | Forschung  | Gesundheit  | Krankheiten  | Therapien  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung