Medizin & Biotech

APA

Psoriasis belastet die Betroffenen oft schwer

09.10.2019

Bis zu 300.000 Menschen in Österreich leiden an Psoriasis. Die chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit massiver Schuppenbildung ("Schuppenflechte") belastet die Betroffenen schwer. Bei einer anonymisierten Online-Befragung in Österreich gaben 54 Prozent der Patienten an, von Krankheitsschüben schwer belastet zu sein, hieß es bei einem Pressegespräch in Wien.

"40 Prozent vermeiden Aktivitäten, in denen ihre Haut für andere sichtbar wird. 58 Prozent sind ängstlich. 30 Prozent versuchen, aus Scham ihre Krankheit geheim zu halten. 21 Prozent haben erlebt, dass ihnen Menschen ausweichen. 19 Prozent sind in ihrem beruflichen Fortkommen stark eingeschränkt", zitierte Isabella Presch, Medical Director des Pharmakonzerns Abbvie in Österreich, aus der Umfrage mit 500 Beteiligten (zwei Drittel Patienten, ein Drittel Angehörige). 17 Prozent seien so frustriert, dass sie nicht mehr wegen ihrer Psoriasis zum Arzt gingen. 50 Prozent der Betroffenen fühlen sich hilflos, für 55 Prozent wäre die Beseitigung von Juckreiz und/oder Schmerzen der größte Wunsch.

Hautpflege, Cremen und Salben, Cortison, Vitamin A- und Vitamin-D-Derivate, Fototherapie, Medikamente wie Methotrexat, Cyclosporin, Fumarsäureester und schließlich bereits eine ganze Reihe gezielt wirkender Biologika zur Hemmung von entzündungsfördernden Immunbotenstoffen (TNF-alpha, Interleukin-12/23, Interleukin-17) haben die Behandlungsmöglichkeiten extrem verbessert. "Wir sind heute soweit, dass wir eine Besserung der Symptome um 90 bis 100 Prozent erreichen können", betonte Paul Sator, Oberarzt an der Dermatologischen Abteilung im Krankenhaus Hietzing in Wien.

Stufenweise Verbesserung der Symptome

Monoklonale Antikörper gegen den Entzündungsbotenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha) waren die erste Stufe dieser Entwicklung. Bei der Psoriasis folgten dann Interleukin-17-Antikörper. Im Grunde tastete man sich damit näher an den immunologischen Ursprung der Psoriasis-Kaskade im Körper an. Das alles ist auch ähnlich bei anderen Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, rheumatische Arthritis etc. Mit den TNF-alpha-Blockern kommt man nach drei Wochen auf ein ausreichendes Ansprechen (75 Prozent Reduktion der Symptome) bei rund 70 Prozent der Behandelten.

Erst vor kurzem zugelassene bzw. nachkommende Biologika als monoklonale Antikörper hemmen hingegen Interleukin-23, einen in der chronischen Entzündungsreaktion frühen Kernfaktor des Immunsystems. Mit diesen Medikamenten erreicht man eine Reduktion der Krankheitszeichen um 75 Prozent bei rund 90 Prozent der Behandelten. Eine Verringerung um 90 Prozent zeigt sich bei etwa 70 Prozent. Es gibt auch kaum Unterschiede in der Wirksamkeit bei verschiedenen Patientengruppen, zum Beispiel zwischen Kranken mit unterschiedlicher Vorbehandlung. Wie lange die Wirkung der über viele Jahre notwendigen Therapie anhält, ist noch nicht klar.

Während die Biotech-Medikamente in der Produktion ausgesprochen aufwendig sind, dürfte in Zukunft die Forschung vermehrt in Richtung "kleiner", synthetisch herstellbarer Wirkstoffe zur oralen Einnahme gehen. Dazu gehören sogenannte Januskinase-Hemmer, welche Enzyme in jenen Zellen blockieren, die bei der überschießenden Immunreaktion im Rahmen der Psoriasis eine Rolle spielen.

STICHWÖRTER
Medizin  | Wien  | Wissenschaft  | Forschung  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung