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Jedes Jahr wird bei mehr als 1,7 Mio. Frauen Brustkrebs diagnostiziert © APA (Gindl)
Jedes Jahr wird bei mehr als 1,7 Mio. Frauen Brustkrebs diagnostiziert © APA (Gindl)

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Schweizer Forscher entschlüsselten Aufbau von Brusttumoren

15.04.2019

Ein gezielterer Angriff auf die Krebszellen - das ist das Ziel neuer Therapien. Wissenschafter der Universität Zürich und von IBM Research wollen jetzt eine wichtige Hürde geschafft haben, indem sie den detaillierten Aufbau von über hundert Brusttumoren entschlüsselt haben.

Welche Krebs- und Immunzellen sind in einem Brusttumor vorhanden sind bzw. sie sich von Patientin zu Patientin unterscheiden, diesen Fragen sind Johanna Wagner von der Uni Zürich und Marianna Rapsomaniki von IBM Research mit Kollegen nachgegangen. Mittels Massenzytometrie analysierten sie mehrere Millionen Krebs- und Immunzellen von 140 Patientinnen und erstellten daraus einen Tumor- und Immunzell-Atlas, wie die Uni Zürich mitteilte.

Jeder der untersuchten Tumore war in seiner Zusammensetzung einzigartig, berichten die Wissenschafter im Fachblatt "Cell". "Dies könnte ein Grund für unsere Schwierigkeiten sein, Brustkrebs zu behandeln", wurde Johann Wagner in einer Aussendung zitiert.

Allerdings zeigten sich bestimmte Grundregeln, zum Beispiel, dass in aggressiven Tumoren zumeist eine einzige Krebszellart dominiert, die stark entartet ist. Bisher war man davon ausgegangen, dass aggressivere Tumore eine erhöhte Diversität an Krebszellen aufweisen.

Durchaus Gemeinsamkeiten gefunden

Auch bei den Tumor-assoziierten Immunzellen zeigten sich bei den aggressiveren Krebsgeschwüren Gemeinsamkeiten. Diese Immunzellen können helfen, die Krebszellen zu bekämpfen, wenn sie sich aktivieren lassen. Sind sie jedoch inaktiviert, entkommt der Tumor dem Immunsystem.

Bei einer Gruppe von Brustkrebspatientinnen mit aggressiven Tumoren fanden die Forschenden eine Anreicherung von inaktiven Immunzellen, die bei Lungen- und Hautkrebs durch Immuntherapie erfolgreich aktiviert werden können, schrieb die Uni Zürich. In dieser Gruppe gab es Patientinnen, die bisher nicht als Kandidatinnen für eine Immuntherapie galten.

Der Tumor- und Immunzell-Atlas für Brustkrebs konnte somit eine gute Grundlage für gezielte Therapieansätze darstellen. "Unsere Erkenntnisse deuten auf einen möglichen Erfolg von Immuntherapie bei Brustkrebs hin. Wir werden dazu weiterführende Studien machen und bei Erfolg zu einer klinischen Studie ausweiten", sagte Studienleiter Bernd Bodenmiller von der Uni Zürich.

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