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Statistik - Neue Berechnung der Dunkelziffer anhand von Island-Daten

03.04.2020

Eine neue Berechnung über das tatsächliche Ausmaß der Covid-19-Infektionen in Österreich haben nun Forscher der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien vorgelegt. Sie haben dazu Daten aus Island auf Österreich übertragen. Im Schnitt aller Szenarien ist die Zahl an Infektionen mit Stand 1. April neun Mal so hoch als jene der bestätigten Fälle. Allerdings sei die Unsicherheit der Berechnung "beträchtlich".

In den vergangenen Tagen haben bereits Wissenschafter des Instituts für höhere Studien (IHS) und der WU Wien in unabhängigen Analysen die tatsächliche Anzahl der Infektionen auf etwa 16.000 bis 55.000 berechnet (Stand 18. März), die Dunkelziffer lag deutlich über der Zahl der bestätigten Fälle. Gregor Kastner vom Institut für Statistik und Mathematik der WU und seine Kollegen Laura Vana und Rainer Hirk haben nun aktuelle Daten aus Island für eine Annäherung an die Dunkelziffer verwendet. Denn Island hat ein breitflächiges Testprogramm gestartet, um die tatsächliche Verbreitung des Virus in dem Land zu erforschen.

Die Experten haben diese Zahlen auf Österreich übertragen und in verschiedensten Szenarien, die auf der Anzahl an Covid-19-Patienten in Spitälern, auf Intensivstationen, der Anzahl an Covid-19-Todesfällen sowie dem Prozentsatz an positiven Testergebnissen basieren, die tatsächliche Anzahl der infizierten Personen hochgerechnet. "Für alle Methoden ist die geschätzte Anzahl an Infektionen im Durchschnitt etwa neun Mal so hoch wie die Anzahl der bestätigten Fälle", sagte Kastner zur APA. Mit Stand 1. April würde dieser Multiplikator von neun knapp 100.000 Infizierte in Österreich bedeuten.

Die Wissenschafter räumen allerdings ein, dass die Unsicherheit der statistischen Methode relativ hoch ist, "und auch über die Unsicherheit besteht eine relativ große Unsicherheit", so Kastner. Der Multiplikator könnte demnach auch bei vier bzw. 14 liegen, was beim Stand vom 1. April eine Schwankungsbreite von 40.000 bis 140.000 Infizierten bedeuten würde. Eine Neu-Berechnung mit den Daten vom 2. April weist auf eine fallende Tendenz hin, demnach würde der Multiplikator dann bei rund sieben bis acht liegen, sagte Kastner.

Service: https://doi.org/10.13140/RG.2.2.18427.05928

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