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Erkenntnis könnte Therapiechancen der Krankheit entscheidend verbessern © APA/Webpic
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Stoffwechselgene an Magersucht beteiligt

15.07.2019

Magersucht ist keine rein psychologische Erkrankung, daran sind auch Veränderungen in Stoffwechselgenen beteiligt, fand ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung heraus. Wenn man dies in der Therapie berücksichtigt, könne man die bisher mageren Erfolge im Kampf gegen die Krankheit vielleicht in Zukunft verbessern. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift "Nature Genetics".

Ein Team um Cynthia Bulik von der University of North Carolina (USA) fand mit Erbgutvergleichen bei 17.000 Magersucht-Patienten und 55.500 anderen Personen Gene, die bei Patienten mit der Essstörungs-Krankheit anders sind als bei Nicht-Betroffenen. An der Studie arbeiteten auch Forscher der Medizinischen Universität Wien mit.

Männer seltener betroffen

Magersucht (Anorexia nervosa) sucht bis zu vier Prozent der Frauen heim. Männer sind viel seltener betroffen (0,3 Prozent), aber zum Beispiel war der österreichische Schriftsteller Franz Kafka laut Experten magersüchtig und schilderte die Krankheit in der Erzählung "Der Hungerkünstler" aus der Sicht eines Betroffenen. Sie ist teils erblich und die Todesrate ist bei Magersucht höher als bei anderen psychiatrischen Störungen. Bis heute sind die Behandlungserfolge "inakzeptabel dürftig", so die Forscher in der Fachzeitschrift.

Sie fanden zwischen Magersucht-Patienten und anderen Personen Unterschiede bei Genen, die in Gehirnregionen für die Ess-Motivation und Belohnung nach Nahrungsaufnahme aktiv sind. Zusätzlich unterschieden sich Gene, die im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel eine Rolle spielen. Demnach müsse man umdenken und die Anorexia nervosa (was so viel wie "nervlich bedingte Appetitlosigkeit" bedeutet) als sowohl psychiatrische wie Stoffwechsel-Erkrankung ansehen und behandeln, erklären sie.

Bisher habe man den niedrigen Body-Mass-Index (BMI) bei den betroffenen Personen rein als Folge psychologischer Symptome, wie einem zwanghaften Willen, schlank zu sein und der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, angesehen. "Diese Sichtweise hat versagt, Interventionen hervorzubringen, die verlässlich zu einer anhaltenden Gewichtszunahme und psychologischen Genesung führen", schrieben die Forscher. Offensichtlich würden grundlegende Stoffwechsel-Fehlsteuerungen zu den Problemen der Patienten beitragen, einen gesunden BMI aufrecht zu halten, selbst wenn sie therapeutisch aufgepäppelt wurden. Berücksichtigt man dies, könnte man die Therapiechancen bei der oft tödlichen Krankheit möglicherweise entscheidend verbessern, meinen sie.

Service: http://dx.doi.org/10.1038/s41588-019-0439-2

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