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(v.l.n.r.): Sylvia Wohatschek, Anna Moyses, Wilhelm Wohatschek, Gerhard Bedlan und Swen Follak © APA (OTS/AGES)
(v.l.n.r.): Sylvia Wohatschek, Anna Moyses, Wilhelm Wohatschek, Gerhard Bedlan und Swen Follak © APA (OTS/AGES)

Kooperationsmeldung

Studie "Biodiversität der Wiener Kleingärten" belegt den Artenreichtum der Kleingärten Wiens

18.06.2019

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit der AGES

Wien ist eine der lebenswertesten Städte der Welt und das gilt nicht nur für Menschen. Das beweist die Studie "Biodiversität der Wiener Kleingärten". Die biologische Artenvielfalt in Wiener Kleingärten stand im Fokus einer dreijährigen Studie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, AGES, im Auftrag des Zentralverbandes der Kleingärtner und Siedler Österreichs. "Wir sind hocherfreut über das Projekt, das zeigt, dass unsere Gärten mehr als "grüne Inseln" sind. Das sich hartnäckig haltende Vorurteil, dass im Großteil der Wiener Kleingärten von Biodiversität keine Rede sein kann, da nur Rasen und Thujen gepflanzt sind oder alle Kleingärtner nur mit der Giftspritze hantieren, ist wissenschaftlich widerlegt. Die Wiener Kleingärten sind wahre "Oasen der Vielfalt"", betont Zentralverbandspräsident Ing. Wilhelm Wohatschek. Die Ergebnisse der für Österreich einzigartigen, wissenschaftlich fundierten Studie wurden bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Projektleiter Univ.-Doz. Dr. Gerhard Bedlan präsentiert.

Verschiedene Klimazonen untersucht

"Die Wiener Kleingärten sind sehr vielfältig und artenreich", fasst Forschungsprojektleiter Gerhard Bedlan vom AGES-Institut für Nachhaltige Pflanzenproduktion die Ergebnisse zusammen. Gemeinsam mit seinen Insekten- und Pflanzenexperten DI Anna Moyses und Dr. Swen Follak haben die Wissenschafter unter Mithilfe von Fachberatern des Landesverbandes Wien und Kleingärtnern die Biodiversitäts-Erhebung in Wien durchgeführt. Gleich vier verschiedene Mikroklimata finden sich in der Bundeshauptstadt. Daher wurden Kleingartenanlagen aus diesen Regionen unter die Lupe genommen. Der Wiener Bezirk Leopoldstadt gilt dank der Prater-Auen als Feuchtgebiet, Penzing verfügt über große Teile des Wienerwaldes, die Kleingartenanlage Auf der Schmelz liegt mitten im verbauten Stadtgebiet und die Donaustadt hat bereits pannonisches Klima. In den ausgewählten Gärten wurden Pflanzen, Wanzen und Zikaden sowie phytopathogene Pilze untersucht. Die beiden Insektengruppen eignen sich als "Biodiversitätsindikatoren", da sie besonders artenreich sind und in vielen verschiedenen Lebensräumen unterschiedliche Ansprüche an Ökologie und Ernährung stellen.

Wiener Kleingärten sind Oasen der Vielfalt

"Je mehr unterschiedliche Pflanzen es gibt, desto mehr Insekten finden einen Lebensraum", so Swen Follak, der von der großen Mischung positiv überrascht war. In den untersuchten Kleingärten aller vier Wiener Gemeindebezirke wurden insgesamt 391 Pflanzenarten nachgewiesen, wobei Rosen, Tulpen und Lavendel am häufigsten kultiviert werden. In vielen Kleingärten werden auch wieder Obst, Gemüse und Kräuter gepflanzt. Mehr als 75 verschiedene Arten von so genannten Nahrungspflanzen wurden nachgewiesen, wobei Apfelbäume, Tomaten oder Johannisbeeren in mehr als 60 % der Kleingärten wachsen. Die vielfältige Flora bietet einen idealen Lebensraum für die Tier- und Insektenpopulation, da diese hier Nahrung, Brutplätze und Schutzräume finden. Für die Studie wurde ein Schwerpunkt auf die Zikaden- und Landwanzen-Population gelegt, "da diese wissenschaftlich betrachtet ausgezeichnete Indikatoren für die Artenvielfalt darstellen", erklärte Anna Moyses. Auch hier sei das Ergebnis ausgesprochen erfreulich: 109 Wanzen- und 76 Zikadenarten wurden in Wiens Kleingärten entdeckt, "viele davon befinden sich auf der "Roten Liste" gefährdeter Arten".

Zentralverband macht Vielfalt zum Programm

Damit steht fest, dass die Kleingärten in Wien wesentlich zum Artenreichtum der Stadt beitragen. "Im Sinne der Nachhaltigkeit wollen wir Böden und Umwelt für unsere Kinder gesund halten", betonte Mag. Sylvia Wohatschek vom Zentralverband. Daher werden die Erkenntnisse der Studie allen Mitgliedern zur Verfügung gestellt und fließen auch in die Kurse und Ausbildungen der "Kleingarten Akademie" ein. Gemeinsam könne die "österreichische Kleingartenfamilie" viel zur biologischen Vielfalt beitragen. "Schon kleine Maßnahmen können helfen etwas für die Artenvielfalt zu tun. Ein sogenanntes Insektenhotel passt überall hin und wird gerne von Wildbienen genutzt. Die unterschiedlichen Bestäuber tragen nicht nur zu einem blühenden Garten und reicher Ernte bei, viele Insekten vertilgen auch den einen oder anderen Schädling im eigenen Garten", so Wohatschek.

Wissenschaftliche Sensation in AGES-Studie

Ein Detail der umfassenden Biodiversitäts-Studie beindruckt besonders: Im Rahmen der Untersuchungen gelang die weltweite Erstbeschreibung einer neuen pathogenen Pilz-Art in Wien. Im Oktober 2016 wurde in einem Kleingarten in Hietzing ein bis dato unbekannter Blattfleckenpilz entdeckt und von Univ.-Doz. Dr. Gerhard Bedlan als "Asteromella forsythiae" benannt und wissenschaftlich erstbeschrieben. So schreiben die Kleingärten in Wien weltweite Biodiversitäts-geschichte. Für den Präsidenten des Zentralverbandes der Kleingärtner und Siedler Österreichs ist die Studie ein voller Erfolg: "Die Bedeutung der Kleingärtner für den Lebensraum einer Stadt ist wissenschaftlich belegt. Unsere Gärten und Biotope leisten einen großen Anteil an der Biodiversität in unserem grünen Wien. Dieses Engagement der Gärtner wird reich belohnt", unterstreicht Wilhelm Wohatschek. Bei einer Tagung der internationalen Kleingartenbewegung vom 21.-24. August 2019 in Graz wird das Thema Biodiversität in Kleingärten ausführlich diskutiert und selbstverständlich auch die Studie entsprechend präsentiert.

Download: Die Studie "Biodiversität der Wiener Kleingärten" sowie Foto- und Filmmaterial wird Fernseh- und Online-Redaktionen zum Herunterladen bereitgestellt: http://www.kleingaertner.at/190613Pressekonferenz/press190613.htm

Weitere Infos unter: https://www.ages.at/service/service-presse/pressemeldungen/studie-biodiversitaet-der-wiener-kleingaerten/

Quelle: AGES

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