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Welt-Krebs-Tag - US-Fachgesellschaft: Durchbruch bei seltenem Krebs

04.02.2019

Die in Fachkreisen bekannteste internationale Vereinigung von Krebsspezialisten - die amerikanische Krebsgesellschaft ASCO - hat jetzt aus Anlass des Welt-Krebs-Tages (4. Februar) die bedeutendsten Entwicklungen im Jahr 2018 publiziert: "Fortschritte bei der Behandlung seltener Krebsleiden. " Als Beleg diente der ASCO auch eine Studie mit Wiener Beteiligung zum anaplastischen Schilddrüsenkarzinom.

"Im vergangenen Jahr haben wesentliche Fortschritte in der Forschung Patienten mit seltenen und schwer behandelbaren Krebsformen neue Therapiemöglichkeiten eröffnet", schrieb die amerikanische Vereinigung der Krebsspezialisten. Es seien auf diesem Gebiet sprichwörtlich neue Meilensteine gesetzt worden.

Als das erste von fünf Beispielen führte ASCO das sogenannte anaplastische Schilddrüsenkarzinom (ATC) an. Hier hätte die US-Arzneimittelbehörde FDA die erste wirksame Therapie für einen Teil der Betroffenen in 50 Jahren zugelassen. Die entsprechende Studie mit dem dafür notwendigen Wirksamkeitsnachweis war im Oktober 2017 im Journal of Clinical Oncology. Als Co-Autor beteiligt war der Wiener Onkologe Christoph Zielinski, bis vor kurzem Koordinator des Comprehensive Cancer Center von AKH Wien und MedUni Wien.

Ein Prozent aller Krebserkrankungen

Der Hintergrund: Schilddrüsenkarzinome machen insgesamt etwa ein Prozent aller Krebserkrankungen aus. In dem meisten Fällen handelt es sich um prinzipiell gut behandelbare Formen. "Ein bis zwei Prozent der Fälle von Schilddrüsenkarzinomen in den USA und ein bis zehn Prozent der Schilddrüsenkarzinome weltweit sind ATCs. Sie gehören zu den tödlichsten Krebserkrankungen (...).", schrieben die Wissenschafter um Bhumsuk Keam (Nationale Universitätsklinik Seoul). Patienten mit dieser Erkrankungsform hätten "eine mediane Lebenserwartung von fünf bis zwölf Monaten und eine Überlebensrate innerhalb eines Jahres von 20 bis 40 Prozent." Die Ansprechrate auf medikamentöse Therapien liege nur bei weniger als 15 Prozent.

Allerdings zeigte die genetische Charakterisierung solcher Karzinome, dass 20 bis 50 Prozent für sie typische Mutationen im Gen für die B-Raf Kinase (BRAF) aufweisen. Diese Mutation in einem Enzym aktiviert die Krebszellen, lässt sie schneller wachsen und sich teilen. Gegen solche sogenannten BRAF V600-Mutationen gibt es aber mittlerweile zielgerichtete Medikamente, die auch bei anderen Krebserkrankungen mit solchen Mutationen eingesetzt werden. Ein solches Arzneimittel ist zum Beispiel Dabrafenib.

Die Wissenschafter nahmen 16 Patienten mit der sehr seltenen Krebsform in eine Studie der Phase II auf. Alle hatten zuvor schon Strahlentherapie und/oder Operationen bzw. Chemotherapien erhalten. Sie bekamen zwischen vier und 120 Wochen (median: 47 Wochen) eine Kombinationstherapie mit Dabrafenib und dem ebenfalls zielgerichteten Wirkstoff Trametinib (sogenannter MEK-Inhibitor). Letzeres Medikament hemmt den aktivierten Wachstumssignalweg dieser Schilddrüsenkarzinome noch an einer weiteren Stelle.

Die Wissenschafter schrieben zu ihren Ergebnissen: "Die bestätigte Ansprechrate (auf die Therapie; Anm.) lag bei 69 Prozent mit in sieben Fällen anhaltendem Ansprechen."

Wirkungsdauer noch nicht abschätzbar

Eine mittlere Dauer der Wirkung, die mittlere Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung und die gesamte Lebenserwartung hätte man noch gar nicht beurteilen können, weil der (anhaltende) Effekt der Kombitherapie so groß und bei Ende der Beobachtungszeit noch vorhanden war. Schätzungsweise würden 90 Prozent der Behandelten nach einem Jahr noch ein Ansprechen aufweisen, 79 Prozent kein Fortschreiten der Erkrankung - und schließlich schätze man die Überlebensrate nach einem Jahr auf 80 Prozent (bisher 20 bis 40 Prozent).

"Es ist wirklich aufregend, welche bedeutenden Fortschritte man speziell bei seltenen Krebserkrankungen innerhalb eines Jahres beobachten konnte. Bei Prognosen, wonach die Zahl der Krebserkrankungen allein in den USA im kommenden Jahrzehnt um rund ein Drittel zunehmen wird, müssen wir einfach weiterhin die Forschungsaktivitäten verstärken, um Leben zu retten", schrieb ASCO-Präsidentin Monica Bertagnolli.

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