Medizin & Biotech

Möglicher neuer Immuntherapie-Ansatz © APA (Hochmuth)
Möglicher neuer Immuntherapie-Ansatz © APA (Hochmuth)

APA

Wiener Forscher: Protein mTORC2 bei Darmkrebs in unerwarteter Rolle

23.10.2019

Das Protein namens mTORC2, gegen das gerade neuartige Krebsmedikamente entwickelt werden, fördert das Tumorwachstum - allerdings nicht bei Darmkrebs. Dies fanden Forscher des Zentrums für Pathobiochemie und Genetik der MedUni Wien heraus. mTORC2-Aktivität fand sich nur in gewissen Immunzellen, die dieses Protein sogar zur Bekämpfung der Krebszellen benötigen, teilte die Uni mit.

Ein Tumor besteht nicht nur aus Krebszellen, sondern enthält auch eine große Anzahl unterschiedlicher Immunzellen, die normalerweise gegen die Krebszellen ankämpfen. Viele Tumore haben jedoch Strategien entwickelt, wie sie Immunzellen umprogrammieren können, sodass diese dann sogar das Tumorwachstum unterstützen. Der Erforschung, wie Tumor- und Immunzellen interagieren, komme im Zeitalter der Immuntherapie eine zentrale Bedeutung zu, schrieb die MedUni. Diese Therapie könne mit großem Erfolg das Immunsystem reaktivieren.

Die Medikamente, die derzeit gegen das Protein mTORC2 entwickelt werden, konnten im Reagenzglas sehr erfolgreich das Wachstum von Krebszellen unterdrücken. Daher gibt es hohe Erwartungen, dass mTORC2-Hemmer künftig gegen eine große Zahl von Krebserkrankungen erfolgreich sein könnten. Laut der Arbeit der Wiener Forscher um Thomas Weichhart ist mTORC2 nur in bestimmten Immunzellen, sogenannten Makrophagen, aktiv, die normalerweise die Krebszellen bekämpfen sollten. Die Daten wurden im Oktober im "Journal of Clinical Investigation Insight" publiziert.

Hohe Aktivität von mTORC2 in Makrophagen wichtig

Eine hohe Aktivität von mTORC2 in Makrophagen sei wichtig, um das Wachstum von Darmkrebs im Tiermodell einzudämmen, schrieben die Wissenschafter. Als die Forscher im Tiermodell mTORC2 speziell in diesen Fresszellen ausschalteten, habe sich das Wachstum des Darmtumors in diesen Mäusen aber beschleunigt. Den gleichen Effekt hatte überraschenderweise auch ein mTORC2-Hemmer in diesem Darmkrebsmodell. Ein Zusammenhang konnte auch beim Menschen gezeigt werden. Die Wissenschafter fanden heraus, dass in Darmkrebspatienten eine hohe mTORC2-Aktivität in Makrophagen mit einem günstigen Verlauf assoziiert ist. Diese Ergebnisse würden nahelegen, dass eine Aufrechterhaltung der Aktivität und keine Hemmung von mTORC2 bei Darmkrebs therapeutisch nützlich sein könnte.

Die Forscher wollen nun herausfinden, wie die Tumorzellen mTORC2 in den Makrophagen abschalten. Wird das verhindert, könnte das einen neuen Immuntherapie-Ansatz darstellen, hieß es von den Wissenschaftern. Jedenfalls zeige sich, dass für ein volles Verständnis der Wirksamkeit von Medikamenten auch das Immunsystem miteinbezogen werden müsse, und eine effiziente Tumortherapie auch das Immunsystem inkludieren sollte.

Service: https://dx.doi.org/10.1172/jci.insight.124164

STICHWÖRTER
Medizin  | Forschung  | Krebs  | Wien  | Wissenschaft  | Gesundheit  | Krankheiten  | Therapien  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung