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Vermehrt Schädelmissbildungen bei Neugeborenen infizierter Mütter © APA (AFP)
Vermehrt Schädelmissbildungen bei Neugeborenen infizierter Mütter © APA (AFP)

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Zika-Virus: Erhebliche Spätfolgen für ungeborenes Leben festgestellt

08.07.2019

Auch ein milder Verlauf einer Zika-Virus-Infektion von Schwangeren kann erhebliche Spätfolgen für das Kind haben. Wissenschafter der Med-Uni Graz haben in einem internationalen Team die Babys von infizierten Frauen in Rio de Janeiro kurz nach der Geburt und nach zwei Jahren wieder untersucht und festgestellt, dass das Risiko für das ungeborene Leben hoch ist.

Bei Erwachsenen verläuft eine Infektion mit dem Zika-Virus (ZIKV) oft unauffällig bzw. kann mit einer herkömmlichen Infektion verwechselt werden: Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Entzündung der Augenbindehaut, Hautrötungen und Erbrechen sind typische Symptome, die nach einigen Tagen abklingen. Bei 80 Prozent verläuft sie laut Informationen des österreichischen Gesundheitsministeriums überhaupt symptomlos. Eine Infektion während der Schwangerschaft kann jedoch folgenschwer für das Ungeborene infizierter Frauen sein: Seit 2015 wurden vor allem in Brasilien vermehrt Schädelmissbildungen bei Neugeborenen gemeldet, deren Mütter infiziert wurden.

"Die Mikrozephalie ist ein bekannter Verlauf, aber nicht der einzig mögliche", hielt Christa Einspieler im Gespräch mit der APA fest. Die Physiologin und Neurologin hat nach Ausbruch einer Epidemie in Rio de Janeiro 2015 und 2016 den Gesundheitszustand der Babys infizierter Frauen untersucht. Nach einer Folgeerhebung hat sie die jüngsten Ergebnisse in einer Publikation im Fachblatt "Nature Medicine" zusammengefasst. Demnach hatten nach rund zwei Jahren etwa ein Drittel der Kinder gesundheitliche Probleme.

Zentralnervensystem geschädigt

Von den ursprünglich 125 infizierten Schwangeren in einem Spital in Rio de Janeiro wurden 117 Kinder geboren. Insgesamt hatten damals 42 Prozent der Lebendgeborenen strukturelle und funktionelle Schädigungen des Zentralnervensystems, bei denen damit zu rechnen war, dass sich die Kinder nicht optimal weiterentwickeln. Das traf bei 31,5 Prozent der Kinder, die nach zwei Jahren wieder untersucht werden konnten, zu. Am stärksten waren die Kinder von Sprachfunktionsstörungen (35 Prozent) betroffen, bei zwölf Prozent wurden Hörfunktionsstörungen diagnostiziert.

Ein zu geringes Schädelwachstum wurde bei der ersten Untersuchung bei unerwartet niedrigen fünf Prozent der Kinder erhoben. Hier hat sich die Neuroentwicklung bei zwei Kindern normalisiert, bei zwei weiteren Kindern ist allerdings eine sekundäre Mikrozephalie aufgetreten, bei drei zuvor gesunden Kindern wurde eine Autismus-Spektrum-Störung festgestellt.

Nach den unerwarteten Ergebnissen blieben "noch viele Fragen offen", so Einspieler. "Allem Anschein nach dürften die Entwicklungsergebnisse mit dem Zeitpunkt der Schwangerschaft während der Infektion zusammenhängen", vermutete Einspieler. "Je früher in der Schwangerschaft die Infektion auftritt, umso schlechter. Mädchen entwickeln sich interessanterweise besser als Buben und wenn es zu einer zusätzlichen Frühgeburt kommt, steigt das Risiko nochmals an", fasste Einspieler weitere Auswertungen zusammen. "Wir haben noch keine Endergebnisse, die Kinder sollten zumindest bis ins Schulalter weiter in Zweijahresschritten von einem multidisziplinären Team untersucht werden - auch jene, bei denen die ersten Erhebungen normal waren", hielt die Grazer Forscherin für notwendig.

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