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Alpakas und Lamas lieben sanfte Kontakte

28.05.2020

Die Haltung von Alpakas und Lamas wird immer beliebter - auch bei TierhalternInnen in Europa. Allerdings zeigen die aus Südamerika stammenden Paarhufer auch aggressives Verhalten wie Beißen, Ausschlagen und Rempeln, was sowohl Tiere als auch Menschen verletzen kann. Eine aktuelle Studie der Vetmeduni Vienna konnte nun nachweisen, welche Verhaltensweisen der TierhalterInnen positiv auf das Tierverhalten wirken.

Das Forschungsteam der Vetmeduni Vienna untersuchte in der soeben vorgestellten Studie insgesamt 116 Lamas und Alpakas in 20 Tierhaltungsbetrieben. Laut den Forscherinnen lassen sich die Tiere im Allgemeinen leicht von einer vertrauten Person führen, wobei die Mensch-Tier Beziehung einen großen Einfluss hat. Dazu Ines Windschnurer vom Institut für Tierschutzwissenschaften und Tierhaltung an der Vetmeduni Vienna: "Wir konnten einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Einstellung der Tierhalter, der Häufigkeit der Kontakte und dem Verhalten der Tiere feststellen. Ein häufigerer körperlicher Kontakt zwischen Tierhalter und Tier durch Berührungen und Streicheln im Alltag resultierte in einer deutlich positiven Wirkung auf das Verhalten der Tiere."

Streicheln und Reden wirken in jedem Lebensalter positiv

Bei einer tierärztlichen Untersuchung waren sehr viele - jedoch nicht alle - Tiere ruhig und zeigen weder Ausschlagen, Spucken, Steigen, noch legten sie sich hin oder erstarrten, Verhaltensweisen die furcht- und stressbedingt auftreten können. Auch hier gab es Hinweise auf einen Einfluss der TierhalterInnen: Sprachen TierhalterInnen im Alltag mit dem Tier, hatte dies einen positiven und beruhigenden Einfluss. "Insgesamt konnten wir nachweisen, dass sich regelmäßige freundliche körperliche Kontakte wie Streicheln und Berühren von frühem Alter an positiv auf das Verhalten von Lamas und Alpakas auswirken", so Susanne Waiblinger, Leiterin der Arbeitsgruppe Wiederkäuer und Mensch-Tier-Beziehung am Institut für Tierschutzwissenschaften und Tierhaltung der Vetmeduni Vienna.

Verhaltensänderung der Tierhalter reduziert Problemverhalten der Tiere

Die Ergebnisse der soeben in der Fachzeitschrift "Applied Animal Behaviour Science" erschienenen Studie stimmen in hohem Maße mit dem grundsätzlichen Konzept der Mensch-Tier-Beziehung überein. Demnach hängt ein sanfterer taktiler, sowie vermehrter akustischer und visueller Kontakt mit einem höheren Prozentsatz ruhiger Tiere zusammen, die leichter zu handhaben sind. Laut den Forscherinnen lässt sich mit Einstellungsänderungen auch bei den Haltern von Alpakas und Lamas ansetzen, um neue Verhaltensweisen gegenüber den Tieren zu trainieren und in Folge Problemverhalten der Tiere zu reduzieren: "Ansätze wie kognitives Verhaltenstraining wurden bereits erfolgreich für TierhalterInnen und BetreuerInnen anderer Tierarten eingesetzt. Ähnliche Schulungen können auch entwickelt werden, um den stressarmen Umgang mit Alpakas und Lamas zu fördern. Weitere Untersuchungen sind nötig um festzustellen, welche Faktoren bei der Entwicklung gesteigerten aggressiven Verhaltens eine Rolle spielen", erklärt Ines Windschnurer.

Lamas und Alpakas in Europa immer beliebter

Lama und Alpaka sind ursprünglich in Südamerika beheimatet und zählen zu den Kamelen. Seit einigen Jahren wird ihre Haltung auch in Europa immer beliebter. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Nutzung der Wolle (des Flieses) über das Landschaftsmanagement und tiergestützte Aktivitäten wie z.B. Trekking bis zur Haltung als Hobby. Ihr Verhalten gegenüber Menschen wurde bisher jedoch nur wenig erforscht.

Service: Der Artikel "Alpaca and llama behaviour during handling and its associations with caretaker attitudes and human-animal contact" von Ines Windschnurer, Cassandra Eibl, Sonja Franz, Elisabeth M. Gilhofer und Susanne Waiblinger wurde in Applied Animal Behaviour Science veröffentlicht.

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien:

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.500 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.500 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Die Vetmeduni Vienna spielt in der globalen Top-Liga mit: 2019 belegt sie den exzellenten Platz 5 im weltweiten Shanghai-Hochschulranking im Fach "Veterinary Science. www.vetmeduni.ac.at

Rückfragehinweis:
Ao.Univ.-Prof. Dipl.ECAWBM (AWSEL) Dr.med.vet. Susanne Waiblinger
Institut für Tierschutzwissenschaften und Tierhaltung
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 (1) 25077 - 4905
Susanne.Waiblinger@vetmeduni.ac.at 

Aussender:
Mag. Nina Grötschl
Wissenschaftskommunikation / Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 (1) 25077-1187
Nina.Groetschl@vetmeduni.ac.at
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