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Der Turmfalke ist an seinen städtischen Lebensraum perfekt angepasst © F. Kerschbaum
Der Turmfalke ist an seinen städtischen Lebensraum perfekt angepasst © F. Kerschbaum

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Als Wiener Turmfalke lebt es sich am Stadtrand gesünder

08.02.2018

Mit jährlich zwischen 250 und 400 Brutpaaren besiedeln die Turmfalken das Wiener Stadtgebiet. Für die Gesundheit ihres Nachwuchses ist es laut einer Studie allerdings günstiger, sich einen Brutplatz am Stadtrand zu suchen, so Forscher der Uni Wien und des Naturhistorischen Museums (NHM) im Fachblatt "PlosOne". Vor allem das Nahrungsangebot und Umweltbelastung machen demnach den Unterschied.

Für Turmfalken (Falco tinnunculus) hält die Stadt reichhaltige Möglichkeiten zum Nisten bereit. Da sie selbst keine Nester bauen, machen sie sich Dachbodenluken, verlassene Nester, Nistkästen oder gar Blumenkisten zu eigen. Bezogen werden die innerstädtischen Quartiere der an den Lebensraum Stadt angepassten Tiere immer im Frühjahr. In ihren Nestern sind sie allerdings oftmals mit unliebsamen Mitbewohnern konfrontiert.

So ist es etwa die Falkenlausfliege, die vor allem frisch geschlüpften Küken zusetzt. Am härtesten trifft der Befall die jüngsten und schwächsten Falken. Wie sehr die Gesundheit der Tiere mit ihrem Standort zusammenhängt, hat ein Forschungsteam um Petra Sumasgutner (Uni Wien) und Anita Gamauf (NHM) im Rahmen des seit 2010 laufendenden "Turmfalkenprojekts Wien" analysiert, wie es seitens der Uni Wien heißt.

Nahrungsangebot variiert stark

Bereits in früheren Untersuchungen in der Bundeshauptstadt hat sich herausgestellt, dass das Nahrungsangebot stark variiert: Sind die etwa taubengroßen Greifvögel in den äußeren Lagen vor allem hinter kleinen Säugetieren wie Wühlmäusen her, jagen die Innenstädter öfter Kleinvögel, Insekten und Reptilien. Die unterschiedlichen Diäten sind auch in ihrem Nährstoffgehalt unterschiedlich. So ist die Innenstadt-Variante deutlich ärmer an Carotinoiden. Das sind gelb-orange Pigmente, die antioxidant wirken und das Immunsystem der Vögel stimulieren.

Anhand der Hautfärbung der Turmfalken lässt sich ihre Versorgung mit Carotinoiden ablesen. "Wir haben herausgefunden, dass Nestlinge in der Innenstadt blasser gefärbt sind als jene in ländlicheren Gebieten am Stadtrand", so Sumasgutner, deren Team außerdem die Körperkondition und die Infektionsintensität mit der Falkenlausfliege bewertete. Die Carotinoid-Depots werden offenbar nicht in der Haut abgelagert, sondern müssen im Immunsystem ihren Dienst verrichten, um sich gegen Parasiten und Infektionen zu wehren. Die Wissenschafter werten all das auch als Hinweis darauf, dass den Falken das durch Umweltverschmutzung und Belastungen durch Licht, Lärm und Chemikalien geprägte allzu städtische Leben zusetzt.

Service: Die Publikation online: http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0191956; Unter turmfalkeninfo@gmx.at können Turmfalken-Beobachtungen an das Team des "Turmfalkenprojekts Wien" gemeldet werden.

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