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Reproduktionsstrategie durch Geruch von Mauswieselfäkalien beeinflusst © APA (AFP)
Reproduktionsstrategie durch Geruch von Mauswieselfäkalien beeinflusst © APA (AFP)

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Angst vor dem Gefressenwerden erhöht Fruchtbarkeit von Mäusen

18.06.2019

Riechen sie alarmierende Duftstoffe eines von Fressfeinden verschreckten Mäuserichs, werden Mausweibchen öfter trächtig, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung. Aus Panik vor dem Gefressenwerden vermehren sie sich rasch und spenden den Kindern auch eigene Ressourcen, damit ihre Erbinformation nicht aus der Welt verschwindet, berichten die Forscher im Fachjournal "Ecosphere".

Die Forscher um Thorbjörn Sievert von der Universität Jyväskylä in Finnland verschreckten die Männchen von Waldwühlmäusen (Myodes glareolus), indem sie die Nager in ein Gehege mit Mauswieseln (Mustela nivalis) setzten. Sie waren zwar in einem Gitterkäfig und somit von den Fressfeinden getrennt, fürchteten sich freilich trotzdem, was sich in sogenannten Angstpheromonen in ihren Ausscheidungen manifestierte. Das sind Geruchsstoffe, die von anderen Individuen der gleichen Art unbewusst wahrgenommen werden.

Waldwühlmausweibchen, die Angstpheromone ihrer Artgenossen zu riechen bekommen hatten, wurden zu 85 Prozent schwanger, wenn die Forscher sie mit Männchen zusammensetzten, während das nicht einmal bei halb so vielen Weibchen (37 Prozent) der Kontrollgruppe passierte. Offensichtlich beflügelte die soziale Information der Artgenossen in Form der Angstpheromone, dass Fressfeinde die Gegend unsicher machen, ihr Bestreben, sich zu vermehren. Wenn sie nach einem erfolgreichen Wurf dem Wiesel zum Opfer fallen, sind ihre Gene nämlich immer noch in der Welt, und zwar in ihren Nachkommen.

Andere Mäuseweibchen wurden dem Geruch von Mauswieselfäkalien ausgesetzt, was ihnen ebenfalls die Anwesenheit der Fressfeinde vermittelte und die Reproduktionsstrategie beeinflusste: Ihre Jungen hatten nämlich einen Tag nach der Geburt ein paar Zehntelgramm mehr (2,81 Gramm pro Mäusekind), als jene der Kontrollgruppe (2,44 Gramm). Die Mütter gaben den Kleinen somit mehr von ihren Ressourcen ab, meinen die Forscher, zu denen auch Rupert Palme von der Abteilung für Physiologie, Pathophysiologie und experimentelle Endokrinologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien gehört. Das schwächt sie zwar, gibt dem Nachwuchs aber höhere Überlebenschancen. Demnach würden die Mäusefrauen versuchen, ein "letzte Investition" in ihre Kinder zu machen, um ihr Erbe zu verbreiten, bevor es zu spät ist, wenn sie womöglich im Bauch eines Mauswiesels enden.

Service: https://doi.org/10.1002/ecs2.2765

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