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Österreich als "Hotspot der Artenvielfalt" © APA (dpa)
Österreich als "Hotspot der Artenvielfalt" © APA (dpa)

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Artenzählen mit "Strichcode" - Forscher bauen Gen-Bibliothek auf

19.10.2017

Am Aufbau einer genetischen Bibliothek aller 70.000 Pflanzen-, Pilz- und Tierarten Österreichs arbeiten Forscher seit 2014 im Projekt "Austrian Barcode of Life (ABOL)". Dazu sammeln sie relativ kurze "Gen-Strichcodes", mit denen Lebewesen genau zugeordnet werden können. In drei Jahren soll eine umfassenden Datenbank der heimischen Artenvielfalt online gehen. Davor gibt es aber noch viel zu tun.

"Österreich ist ein Hotspot der Artenvielfalt", erklärte die Biologin Elisabeth Haring vom Naturhistorischen Museum (NHM) Wien kürzlich vor Journalisten. Zum Vergleich: Obwohl Deutschland weit größer ist, zählt man dort ungefähr genau so viele Arten. Bei ABOL handle es sich folglich um ein "richtig großes Forschungsprojekt" im Bereich der Biodiversität, dessen Koordination das NHM übernommen hat.

Vorarbeiten seit drei Jahren

Seit drei Jahren laufen im Rahmen eines Anstoßprojekts des NHM, der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmed) Wien, der Universität Graz und der Tiroler Landesmuseen Vorarbeiten. Das Netzwerk umfasst mittlerweile aber rund 120 Forscher aus verschiedensten Institutionen, von denen viele am 20. Oktober auch an der vierten einschlägigen Konferenz in Wien teilnehmen.

Als "Strichcode" werden Sequenzen der Erbsubstanz (DNA) verwendet, die als eindeutige Kennzeichen für die Artbestimmung genutzt werden können. Bei den meisten Tiergruppen etwa dient dazu ein rund 650 Basenpaare langer Code des CO1 Gens, das in der DNA der Zellkraftwerke (Mitochondrien) liegt. Die Codes werden in einer Referenzdatenbank gespeichert und allen Forschern, sowie Gesundheitsbehörden, Medizinern, Forensikern, Gewässer- und Zoll-Kontrolleuren zur Verfügung stehen.

Förderzusage für zweite Projektphase

In rund drei Jahren sollen die bis dahin vorhandenen Daten auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich sein, sagte NHM-Forscher Helmut Sattmann, der das Projekt mit Haring leitet. Im internationalen Vergleich sei Österreich zwar schon etwas spät dran. Nun gebe es aber eine Förderzusage des Wissenschaftsministeriums für die zweite Projektphase.

Der "ABOL" soll möglichst viel Klarheit in die oft schwierige Artenbestimmung bringen. Lege man nämlich zwei Spezialisten (Taxonomen) eine idente Reihe an Lebewesen zur Bestimmung vor, könne es sein, dass die beiden nur rund 70 Prozent Übereinstimmung erzielen. Der "Strichcode" wiederum sei in den allermeisten Fällen eindeutig, so Sattmann. "Die DNA-Analyse bringt alte Forschung auf ein neues Niveau", sagte Haring.

Das zeigt sich auch in der Entdeckung einer neuen Fischart in der oberen Mur in der Steiermark. Dort wurde im Zuge des Datensammelns klar, dass sich ungefähr zwischen Judenburg und Frohnleiten nicht nur der Steingreßling, sondern auch eine bisher unbekannte verwandte Art im Wasser tummelt, sagte Thomas Friedrich von der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien. "Die DNA zeigte schnell, dass wir hier etwas Neues haben", so der Forscher. Seinen nächsten Verwandten hat der grünliche "Smaragdgreßling", an dessen Erstbeschreibung die Experten gerade arbeiten, übrigens in Griechenland.

Mehrwert nicht nur akademisch

Der Mehrwert des Projekts sei aber bei weitem nicht akademisch. Betrachte man beispielsweise die sich verändernde Situation der Stechmücken in Österreich, werde auch der medizinische Wert klar. Aufgrund der klimatischen Veränderungen und des internationalen Handels kommen nämlich neue Gelsenarten nach Österreich, die auch andere Krankheiten übertragen können. Das löse bei Menschen Ängste aus, sagte Vetmed-Expertin Carina Zittra. "Schickt uns jetzt jemand ein Exemplar einer Gelse, auf die er schon fünf Mal eingeschlagen hat, können wir aufgrund des 'Barcodes' immer noch recht einfach sagen, ob es sich etwa um eine Tigermücke handelt."

Obwohl sich das Sammeln des Erbguts vieler Lebewesen auch aufgrund der Schutzbestimmungen schwierig gestalte, habe man etwa bei den heimischen Amphibien, Reptilien, Fischen, Schmetterlingen und Säugetieren schon viel Material beisammen, sagte NHM-Forscher Frank Zachos. Bei den besonders artenreichen Insekten, anderen Bodenorganismen oder Vögeln sehe es jedoch noch ganz anders aus. Um tatsächlich in den nächsten zehn Jahren rund 80 Prozent der heimischen Biodiversität in die Datenbank zu heben, bräuchten die Wissenschafter rund 26 Mio. Euro.

Service: www.abol.ac.at

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