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Im Labor wird an Unterstützungstechnologien gearbeitet © APA (Schechtner)
Im Labor wird an Unterstützungstechnologien gearbeitet © APA (Schechtner)

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"Assistive Technologien": Selbstständiges Wohnen durch Innovationen

06.08.2019

"Assistive Technologien" sollen Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen ein möglichst autonomes und sicheres Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. An der Fachhochschule (FH) Technikum Wien hat man im Rahmen eines im Mai installierten "Assisted Living Labors" nun einen mit solchen Technologien voll ausgestatteten Wohnraum nachgebaut und der Öffentlichkeit präsentiert.

"Seit mehr als zehn Jahren forschen wir dazu und versuchen, Technik für den Menschen einzusetzen, um so insbesondere ältere Menschen, aber auch Menschen mit Behinderung zu unterstützen", erläuterte Friedrich Praus, Leiter des Studiengangs "Smart Homes und Assistive Technologien" an der FH Technikum Wien. Die technischen Hilfsmittel sollen in einem weiteren Schritt mit Smart Home-Lösungen kombiniert werden.

"Die automatisierten Abläufe können an die jeweiligen Gewohnheiten und Bedürfnisse der Bewohner oder an Witterungsbedingungen angepasst werden", so Markus Zack vom Gebäudetechnikunternehmen KNX Austria, das für die Installation der Smart Home-Technologien im Assisted Living Labor zuständig ist. Dazu gehören IT-Lösungen für ein intelligentes und vernetztes Zuhause, wie etwa Sprachsteuerung, automatisierte Temperaturregelung oder Beleuchtungseinstellungen.

Auf 250 Quadratmetern getestet

In den Räumlichkeiten des Labors an der FH wird seit Anfang Mai auf mehr als 250 Quadratmetern mit und an assistiven Technologien gearbeitet. "Nachdem es uns um Unterstützungstechnologien im eigenen Zuhause geht, haben wir einen voll ausgestatteten Wohnraum nachgebaut", so Praus. Dieser besteht unter anderem aus einem Schlafzimmer, einem Wohnzimmer, einer Küche und einem Nassbereich. Besonderer Fokus liege dabei auf der Entwicklung barrierefreier Eingabetechnologien.

So befindet sich vor dem Bett etwa eine Matte, die der Sturzprävention dient. Ein integrierter Sensor erkennt, wenn eine Person aus dem Bett und auf die Matte tritt, und das Licht geht an. In der Küche ist ein Präsenzmelder aktiv, der den Herd nach einer bestimmten Zeit ausschaltet, wenn keine Person anwesend ist. Im nächsten Studienjahr soll etwa untersucht werden, wie in einem Badezimmer die versperrte Türe automatisch aufginge, sollte eine Person in der Dusche ausrutschen. Diese Räumlichkeiten und weitere Seminarräume werden bereits für den Unterricht genutzt. Seit 2015 starten in dem Studiengang rund 30 Studierende pro Jahr.

Laufende Forschungsprojekte

Daneben gibt es laufend aktuelle Forschungsprojekte. So etwa das Projekt AsTeRICS, das momentan mit drei Mitarbeitern an der FH Lösungen und alternative Eingabetechnologien für Menschen mit starken motorischen Beeinträchtigungen erarbeitet. Ein dabei entwickeltes Tool ist die FlipMouse, mit der Menschen mit Querschnittslähmung den Computer mit den Lippen oder minimalen Fingerbewegungen bedienen können.

Mittels verschiedener Tools lässt sich in Kombination mit Smart Home-Lösungen die gesamte Umgebung steuern. Die Musikanlage kann vom Wohnbereich des Labors aus zum Beispiel durch die integrierte Sprachsteuerung bedient werden, oder auch über das Smartphone, einen einfachen Button oder ein Tablet, das auf Basis von Eyetracking und Gesichtserkennung Befehle annimmt. "Es geht darum, dass es für Menschen mit verschiedenen Beeinträchtigungen auch verschiedene Möglichkeiten geben sollte, die Geräte zu bedienen", erklärte Forschungsmitarbeiter Benjamin Klaus.

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Slideshow: Eindrücke vom Besuch im Assisted Living Labor

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