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Die Erde (li.) und der "ältere Cousin" Kepler-452b © APA (AFP/NASA)
Die Erde (li.) und der "ältere Cousin" Kepler-452b © APA (AFP/NASA)

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Außerirdisches Leben: Forscher suchen Exoplaneten zum Weitersuchen

03.02.2017

Mit dem Nachweis des ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems hat 1992 ein neues Zeitalter der Suche nach Leben fern der Erde begonnen. In den vergangenen Jahren ist die Anzahl entdeckter Exoplaneten explodiert, erklärte Paul Hertz, NASA-Direktor für Astrophysik, in Wien. In seinem Vortrag gab er Einblicke in die Suche nach Planeten zum Weitersuchen und lud zum Mitmachen ein.

"Wir haben es hier wirklich mit einem brandneuen Wissenschaftsfeld zu tun", sagte Hertz im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien. Dass es so lange gedauert hat, bis die Forschung wirklich nachweisen konnte, dass - wie angenommen - auch um andere Sonnen Planeten kreisen, war den schwierigen Umständen geschuldet. Aufgrund der Strahlkraft der Zentralgestirne "kann man sich nämlich nicht einfach Bilder von ihnen ansehen", so der Wissenschafter.

Die ersten Exoplaneten wurden indirekt nachgewiesen, indem Forscher zeigten, dass sich die Wellenlänge des abgestrahlten Lichts mancher Sonnen minimal verändert, wenn sie von einem massereichen planetaren Begleiter umkreist werden. Mit dieser Methode können allerdings kleinere erdähnliche Planeten nicht entdeckt werden. Aus diesem Grund startete die US-Raumfahrtbehörde 2009 ihre Planetenjäger-Mission "Kepler".

150.000 Sterne im Visier

Das mit einer hochpräzisen Kamera ausgestattete Teleskop hat sich seither ungefähr 150.000 Sterne genauer angesehen. Bewegen sich Planeten auf ihren Bahnen direkt vor ihnen vorbei, ändert sich je nach Größe ihres Begleiters das Licht, das "Kepler" auffängt. Die Veränderungen lassen Rückschlüsse auf die Größe der Exoplaneten zu, die Dauer der minimalen Verdunkelung gibt Aufschluss über ihre Umlaufdauer. "So haben wir viele Planeten entdeckt (aktuell sind 3.442 bestätigt; Anm.)", sagte Hertz, der die Entdeckung des bisher erdähnlichsten Planeten mit dem Namen "Kepler-452b" hervorhob. Nach all dem, was man bisher über diesen Planeten weiß, "ist er aber kein Erd-Zwilling, sondern eher ein älterer Cousin".

Aufgrund der "Kepler"-Forschung gehe man nun davon aus, dass um sehr viele Sterne Planeten kreisen und sogar bis zu einem Drittel davon erdähnliche Felsplaneten sein könnten. Wissenschafter schätzen mittlerweile auch, dass jeder fünfte Stern von einem solchen in ungefähr jenem Abstand umkreist wird, der theoretisch Bedingungen zulässt, unter denen Leben entstehen kann, wie wir es kennen. Die wohl wichtigste Erkenntnis für die Suche nach potenziellem außerirdischem Leben sei demnach: "Alleine in unserer Galaxie gibt es vermutlich zwei Milliarden Sterne, die von einem Planeten in der 'habitablen Zone' umkreist werden. Es gibt also wirklich viele Orte, an denen man suchen könnte", sagte Hertz.

Auf der Suche nach neuen Ansätzen

Forscher aus aller Welt tüfteln momentan an neuen Ansätzen, um diese zu identifizieren und Informationen über ihre Beschaffenheit zu erhalten. So sollen mit den in den kommenden Jahren geplanten Starts des Transiting Exoplanet Survey Satelliten (TESS) und des James Webb Space Teleskops (JWST) der NASA vor allem Objekte in der kosmischen Nachbarschaft der Erde gefunden werden, bei denen es sich lohnt, weiterzusuchen.

Im Zuge weiterer Missionen wollen die Wissenschafter dann mehr von dem meist schwachen Licht einfangen, das von den Planeten direkt abgestrahlt wird. Gelingt das, könnte man analysieren, ob es dort Wasser oder Sauerstoff gibt. Mit einer Kamera ausgestattet, die das störende Sternenlicht herausfiltert, soll um das Jahr 2025 das Wide Field Infrared Survey Teleskop (WFIRST) in die Erdumlaufbahn gebracht werden. Die dafür benötigte Technologie müsse laut Hertz bis dahin im Labor allerdings noch ungefähr hundertfach verfeinert werden.

Momentan gebe es aber auch in den "Kepler"-Daten noch jede Menge zu analysieren, erklärte der NASA-Direktor und fügte eine Einladung an: Da die Daten frei zugänglich sind, könne sich jeder mit dem nötigen Know-how und "der nötigen Tagesfreizeit" an der Planetensuche beteiligen.

Service: https://exoplanets.nasa.gov

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