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Bartgeier Alexa, das 31 Jahre alte Weibchen des Krumlpaares © Florian Egger
Bartgeier Alexa, das 31 Jahre alte Weibchen des Krumlpaares © Florian Egger

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Bartgeiernachwuchs im Nationalpark Hohe Tauern

10.05.2019

Anfang März 2019 ist im Rauriser Krumtal wieder ein Bartgeierjunges geschlüpft. Seit der Wiederansiedlung der Bartgeier im Jahr 1986 ist das bereits der sechste Bartgeiernachwuchs in diesem Nationalparktal. Bartgeier Andreas Hofer (Rauris 1996) und seine im Jahre 1988 ebenfalls im Krumltal ausgewilderte Schwester Alexa haben wieder erfolgreich gebrütet. Im März konnten Fütterungsaktivitäten der Elternvögel bestätigt werden. Gefüttert wird derzeit ca. alle zwei Stunden, der Junggeier liegt aber tief in der Horstmulde und ist noch nicht zu sehen. Ende Juni/Anfang Juli ist mit dem Jungfernflug des Junggeiers zu rechnen.

Der Schutz der Bartgeierfamilie hat jetzt oberste Priorität. Für die Nationalparkverwaltung heißt das, die nächsten Monate den Brutplatz laufend zu kontrollieren und mögliche Störeinflüsse zu vermeiden. Ab sofort sind deswegen Hubschrauber- und Drohnenflüge im Krumltal tabu. Die Wege in der Umgebung des Horstes dürfen nicht verlassen werden, Filmen und Fotografieren im Nestbereich ist ebenso verboten. Interessierte werden dringend ersucht, Beobachtungstouren auf "eigene Faust" zu unterlassen, nicht zuletzt auch aufgrund der noch herrschenden Lawinengefahr im Krumltal. Die Zeit bis Anfang Juli - zu diesem Zeitpunkt sollte der Jungvogel flügge werden - ist die empfindlichste, hinsichtlich Störungen, die im schlimmsten Fall zum Abbruch der Fütterung führen können.

Ab dem Sommer wird den Besucherinnen und Besuchern ein eindrucksvolles Naturerlebnis rund um die Bartgeier im Nationalpark angeboten. Die laufende Überwachung übernehmen die Nationalpark-Ranger, gleichzeitig informieren sie Gäste und ermöglichen ihnen auch ein Blick durch Fernglas und Spektiv zum Horst. Von Ende Juni bis Anfang September werden die Ranger von einem Praktikanten unterstützt, der täglich vor Ort das Monitoring durchführt und die Betreuung der Wanderer übernimmt. Darüber hinaus werden von 10. Juli bis 4. September jeden Mittwoch fachkundige Ranger-Führungen ins Krumltal angeboten. Ab 20. Mai ist zusätzlich die Erlebnisausstellung "Könige der Lüfte" in Rauris-Wörth wieder geöffnet.

Auch Katschberger Bartgeier-Paar freut sich über Nachwuchs

Das Männchen Hubertus 2 (Kals 2004) und Weibchen Romaris (Kals 2007) bilden seit dem Jahre 2013 das erfolgreiche Brutpaar im Katschberggebiet auf der Kärntner Seite. Seit dem Jahre 2014 hat das Paar in fünf aufeinanderfolgenden Jahren fünf Junggeier erbrütet und erfolgreich großgezogen. Bei einer Horstkontrolle diesen Jänner konnte festgestellt werden, dass dort auch heuer wieder gebrütet wird und im März konnte ein Füttern eines Jungvogels beobachtet werden. Somit kann, sofern keine Komplikationen auftreten, mit dem Ausfliegen eines weiteren Junggeiers Anfang-Mitte Juli gerechnet werden.

Intensive Suche in Osttirol

Lange unklar gestaltete sich die Situation in Osttirol. Zwar wurden im Gschlößtal immer wieder das für eine Brut noch zu junge Männchen Lea und ein Altvogel beobachtet, welche auch die Region Kals regelmäßig beflogen. Von den beiden Altvögeln, welche letztes Jahr in Prägraten einen Brutversuch unternommen hatten, trafen jedoch seit Herbst nur sehr sporadisch Beobachtungen ein. Doch dann die Überraschung. Am 21. April konnte ein beflogener Bruthorst, wieder im Gemeindegebiet von Prägraten entdeckt werden. Da die Vögel zu Redaktionsschluss noch brüteten, ist noch offen, ob die kritische Zeit des Schlüpfens und der nachfolgenden Tage erfolgreich überstanden werden. Dennoch besteht berechtigte Hoffnung, dass heuer drei Jungvögel in Österreich den Bartgeierbestand bereichern könnten.

Hintergrundinfos Projekt Bartgeier:

Das Projekt der Wiedereinbürgerung der Bartgeier (Gypaetus barbatus) in den Alpen startete im Jahre 1986 mit der ersten Freilassung im Krumltal in Rauris (Nationalpark Hohe Tauern). Laut Statistiken von 2015 war der Stand der alpenweiten Freilassungen bei 197 Junggeiern und der in freier Wildbahn im gesamten Alpenbogen ausgeflogenen Junggeiern bei 128. Der Bestand wurde mit rund 220 Bartgeiern angeschätzt. Österreichweit gab es jedoch erst fünf erfolgreiche Bruten in freier Wildbahn. Inzwischen (2018) erhöhte sich die Anzahl der Freilassungen auf 223 und der Freilandgeburten auf 235 sowie der Freilandbruten in den Hohen Tauern auf 11. Durch diese sehr positive Entwicklung hat sich der Bestand alpenweit auf rund 280 Stück entwickelt.

Trotz der im Zentrum der Alpen sich bereits sehr gut etablierten Population besteht in den Ostalpen und in den Südwestalpen insbesondere hinsichtlich der Zahl der Brutpaare und der Freilandbruten noch Aufholbedarf. In Österreich gibt es bisher erst zwei erfolgreiche Brutpaare und der Bestand weist eine sehr hohe Fluktuation, einen hohen Verlust an Altvögeln und eine hohe Sterblichkeit auf. Als ein entscheidender Faktor wurden Bleivergiftungen identifiziert. Deshalb wurden Initiativen zur Förderung bleifreier Büchsenmunition gestartet und das Monitoring intensiviert. Eine Lösung dieser Frage hat höchste Priorität im Alpenprojekt, aber auch für den Aufbau einer Metapopulation, da die Ostalpen einen wichtigen Trittstein und Brückenkopf nach Südosteuropa bilden. Sehr wichtig ist darüber hinaus, dass in den österreichischen Alpen zusätzlich noch gezielte Maßnahmen zur Festigung der jungen Bartgeierpopulation gesetzt werden, um eine ohne menschliche Hilfe überlebenden Bartgeierpopulation in Österreich, in den Alpen und in Europa zu etablieren.

Rückfragehinweis:
DI Ferdinand Lainer
Projektleitung Greifvogelmonitoring Nationalpark Hohe Tauern
06562 40849-26
ferdinand.lainer@salzburg.gv.at
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