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Wanderratten helfen, wenn sie selbst Hilfe erfahren haben © Manon Schweinfurth
Wanderratten helfen, wenn sie selbst Hilfe erfahren haben © Manon Schweinfurth

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Bei Ratten gilt der Grundsatz "wie Du mir, so ich Dir"

15.01.2020

Forschende der Universität Bern und der schottischen St-Andrews-Universität haben herausgefunden, dass Ratten Artgenossen immer dann helfen, wenn diese zuvor nett zu ihnen waren. Im Rattenreich gilt also der Grundsatz: "wie Du mir, so ich Dir". Die Forscher interessieren sich für das gegenseitige Hilfeverhalten im Tierreich.

Ratten gelten als hochsozial und helfen in verschiedenen Situationen Artgenossen, indem sie zum Beispiel Futter teilen oder sich gegenseitig putzen. Doch die Nager helfen nicht allen Artgenossen. Die Forscher haben daher untersucht, welche Informationen die Tiere heranziehen, um einander zu helfen oder nicht. Die Ergebnisse wurden im Journal "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht.

Mit Wanderratten führten die Forschenden daher ein Experiment durch, bei dem die Nager jeweils verschiedene Partnerratten kennenlernten. Diese teilten mit ihnen das Futter oder eben nicht. Tags darauf wurden die Rollen vertauscht. Nun konnte die Ratte entscheiden, ob und wie viel Futter sie mit der Partnerratte teilt.

Dabei zeigte sich laut Mitteilung der Universität Bern, dass die Ratten ihre Kooperationsbereitschaft von der vorherigen Begegnung abhängig machten. Hatte ihnen die Partnerratte geholfen, taten sie dies nun auch.

Entscheidung basiert auf letzter Begegnung

Frühere Begegnungen mit der Partnerratte wurden jedoch für den Entscheid nicht berücksichtigt. "Die Ratten basierten somit ihre Entscheidung immer auf der letzten Begegnung und nicht auf der gesamten sozialen Interaktion": So wird Manon Schweinfurth zitiert, die die Studie in der Ethnologischen Station Hasli der Universität Bern unter der Leitung von Professor Michael Taborsky durchgeführt hatte. Schweinfurth ist derzeit als Dozentin in Schottland tätig.

Die Taktik der Ratten ist nützlich, da sich damit die Informationsmenge stark reduziert, die sie brauchen, um in ihrer Kooperationsbereitschaft von Artgenossen nicht ausgenutzt zu werden. Auch Menschen wenden laut Schweinfurth diesen "Trick" mitunter an, wenn sie miteinander kooperieren.

Um auszuschließen, dass Ratten sich nur merken können, was in den letzten 24 Stunden passierte, wurde ein weiteres Experiment durchgeführt. Dabei erfuhren die Ratten von ihren Partnern jeweils einen Gefallen ein oder drei Tage bevor die Ratte sich revanchieren konnte. Laut Schweinfurth konnten sich die Ratten problemlos auch an die drei Tage zurückliegende Begegnung erinnern und sie als Entscheidgrundlage nutzen. Weitere Studien sollen zeigen, wie weit verbreitet die gegenseitige Hilfe im Tierreich ist.

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